Orgelbauer - Personalstil
Die Beobachtung teile ich, auch bei anderen Firmen (man denke an die drei französischen Orgeln von Woehl mit ihrer eigenen Prägung. Die neueren Woehl-Orgeln finde ich nicht mehr so charaktervoll).
Es stellt sich die Frage: Wenn eine Gemeinde eine neue Orgel bauen lässt, will sie dann eine XY-Orgel, weil die Orgel wie andere XY-Orgeln klingt oder weil die Firma günstig, zuverlässig, solide, in der Nähe, sympathisch etc. ist? Anders gefragt: Geht es überhaupt um einen spezifischen Klang? Ich glaube nicht.
Die Dispositionen haben sich schon in den letzten Jahren ziemlich angeglichen. Ich schaue mir gern die Homepages der Orgelbauer an. Wenn man die Neubauten vergleicht, gibt es schon eine Art von Hauptrichtung, von besonderen Wünschen (historische Kopie) abgesehen. Und die Intonation ist auch einheitlicher. Wenn ich an eine typische 20-Register-Orgel denke, fällt es mir sehr schwer, unterschiedliche Klangfarben bei unterschiedlichen Orgelbauern vorzustellen.
Bei den kleineren Orgelbauern finden sich noch charakteristische Intonateure (meist intoniert da der Chef). Ich denke zum Beispiel an Rainer Müller, dessen Stumm-Restaurierungen hier schon Thema waren. Bei ihm haben auch neue Orgeln einen eigenen Charakter, der eben aus der Beschäftigung mit dieser Zeit entstanden ist. Das muss man wissen. Wer bei ihm eine Orgel bestellt, will auch genau diesen Klang. Mir persönlich gefällt er sehr gut, ich kenne aber auch Kollegen, die das gar nicht mögen. Diese Individualisierung ist also Vor- und Nachteil zugleich: Man hat Fans und ablehnende Positionen. Wirtschaftlich besser geht es einer Firma vielleicht, wenn sie alle Geschmäcker abdeckt und sich den Wünschen der Organisten und Orgelsachverständigen anpasst. Freilich um den Preis der Austauschbarkeit mit Konkurrenten.
Nun ist es aber doch in der Regel so, dass eine Gemeinde (über Organisten oder OSV) bei der Ausschreibung eine Disposition vorgibt, die schon klar eine Richtung vorgibt und sei es eine universale ("alle Epochen darstellbar"). Es ist eine lustige Vorstellung, mal drei Firmen den gleichen Auftrag zu erteilen und die gleiche Disposition zu verwirklichen im selben Kirchenraum. Wie unterschiedlich würden die Orgeln klingen bei einer "08/15"-Disposition? Andererseits: Wenn ich als Organist oder OSV "Hautbois" in die Disposition schreibe, will ich dann eine "Klais-Hautbois", eine "Rieger-Hautbois" oder eine "Sandtner-Hautbois"? Oder will ich nicht viel eher eine "Cavaillé-Coll-Hautbois"?! Dann hat der Orgelbauer im Grunde den Auftrag, möglichst gut eine solche Hautbois zu imitieren! Nun muss er aber sehen, wie er diese Kopie mit den anderen gewünschten Klangfarben verbinden kann.
Ich las vor einiger Zeit den Vorwurf, deutsche Orgelbauer hätten ja nur den Namen übernommen (z. B. Trompette harmonique), aber eben keine geteilten Winddrücke etc. gebaut. Also nicht alles der Vorbildsorgel kopiert. Dieser Vorwurf wäre bei einem Nachbau gerechtfertigt; meines Erachtens macht es aber gerade den Reiz des deutschen Orgelbaus aus, verschiedene Strömungen in einer Orgel zu vereinen. Dann habe ich eben im SW Streicher und (der Bauart nach) französische Zungen, gleichzeitig im RP einen barocken Sesquialter und einen Dulzian, im HW eine Prinzipalschwebung neben einem hochgebänkten Kornett, einem Quintatön und einem Gemshorn. Nichts davon findet sich in einer historischen Orgel vereint. In einer Klais-, Rieger- oder sonstwie-Orgel aus den 1970er und 80er Jahren aber eben doch. Mir persönlich gefällt das (bei neuen Orgeln). Ich sehe das nicht als Inkonsequenz oder Nachteil. Es war ein eigener Orgeltypus mit eigenen Möglichkeiten (und Defiziten!).
Im Beispiel St. Stefan Mainz war nach meinen Informationen der Prospektentwurf das entscheidenende Kriterium für Klais. Das ist wohl gar nicht so selten, in Lahnstein war es genauso. Für Regensburg (Dom) könnte ich es mir auch vorstellen. Bei anderen Gemeinden weiß ich, dass es ein Orgelbauer am besten geschafft hat, den meisten Platz für den Kirchenchor übrig zu lassen. Solche Fragen sind heutzutage wichtiger als der Klang des Instrumentes, jedenfalls in vielen (den meisten?) Fällen.
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kjz1,
24.03.2014, 20:55
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stein,
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- Orgelbauer - Personalstil - kjz1, 25.03.2014, 08:38
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FranzS.,
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Dorforganist,
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Florgel,
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- Orgelbauer - Personalstil - stein, 25.03.2014, 16:13
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