Klangmanipulationen auf Orgel-CDs

Karsten, Samstag, 09. Juli 2011, 10:43 (vor 5537 Tagen) @ doppelfloete_h

Ich finds in diesem Falle zumindest interessant, zumal man so ehrlich ist und das hier wissenschaftlich als Vergleich angelegt hat. Würde es mir glatt mal anhören.

Empfehlung ist gegeben, ist wirklch lohnenswert!

Ansonsten bin ich eher Purist, der angesichts kleinster Bearbeitungen leichtes Unwohlsein spürt. Habe eine CD, auf der offen mit einem ähnlichen Verfahren, die Orgel aus einem trockenen akustischen Umfeld angesichts der aufgenommenen Musik in eine französische Kathedrale zu versetzen, "geworben" wird. Hier gibts jedoch keine Vergleichsmöglichkeit und ich kann beim Hören nicht wirklich sowas wie Freude empfinden...
Aber nochmal zu Oberlin: Gibts nicht genügend Beispiele, gerade von ACC, was "Town-Hall"-Bedingungen angeht? Trocadéro, Sheffield uswusf... Das Argument zieht für mich von daher mit Abstrichen. Vielleicht hätte ich daher nicht unbedingt Tournemire als Programm für ein solches Projekt gewählt, sondern "tatsächliche" Symphonik. Seine Musik in Townhall-Akustik wäre für mich von vornherein fragwürdig...

Meiner Meinung ist hier der Hund begraben.

Sicher hat Cavaillé-Coll auch Konzertsaalorgeln gebaut, und zahlreiche berühmte Orgelwerke wurden z.B. in der Konzertsaalakustik des Trocadéro (ur-)aufgeführt.
Ebenfalls hat sich beispielsweise Tournemire explizit dafür ausgesprochen, dass seine Sammlung L'Orgue mystique auch in Konzerten und nicht nur in der Liturgie eingesetzt werden könne. Daher auch die zahlreichen Widmungen an Konzertorganisten.
Aber dies war eher die Ausnahme als die Regel.

Es ist nun mehr als legitim, solche Musik, die explizit mit einer lebendigen Akustik rechnet, auch in trockenen Akustiken aufzuführen und aufzunehmen. Nur sollte dann diese Akustik auch entsprechenden Einfluss auf die Interpretatin haben: lange Generalpausen, in denen der Hall ausklingen kann und die Spannung dennoch erhalten bleibt, gibt's dann eben nicht. Eine trockene Akustik hat natürlich große Vorteile für Werke mit komplexer Struktur, man denke da nur als Extrembeispiel an Max Reger. Da könnte man sich wirklich mal ein wenig an die berühmt berüchtigten zu schnellen Metronom-Angaben herantasten, ohne dass die Durchhörbarkeit leidet.

Bei Tournemire sehe ich das allerdings auch etwas kritischer: Polyphonie gibt's da natürlich auch zuhauf, aber da wird viel mehr mit Farbeffekten gearbeitet. Man kann zwar messerscharf alles heraushören, was ungemein lehrreich ist, vor allem, wenn man keine NOten zur Hand haben sollte. Aber die Atmosphäre und die Mystik gehen irgenwie völlig ab.

Was mich bei dieser Aufnahme dann hautpsächlich stört ist, dass die virtuelle Akustik bei der eigentlichen Interpretation keine Rolle spielt(e).

Gruß
Karsten


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