Klangmanipulationen auf Orgel-CDs

Karsten, Samstag, 09. Juli 2011, 08:33 (vor 5539 Tagen)

Hallo!

Vor einiger Zeit fiel mir folgende Doppel-CD in die Hände:

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Tournemire in Oberlin
- Office Epiphania Domini (L’Orgue Mystique, No. 7, Opus 55)
- Cantilène improvisée
- Petite rapsodie improvisée
- Office Dominica infra Octave Ascensionis (L’Orgue Mystique, No. 24, Opus 56)
- Fantasie-Improvisation sur l’”Ave maris stella”
- Office In Assumptione B. M. V. (L’Orgue Mystique, No. 35, Opus 57)
J. Melvin Butler
Fisk-Orgel der Finney Chapel, Oberlin College
DDD, Loft records. LRCD1063-64
2 CDs

http://www.gothic-catalog.com/Tournemire_in_Oberlin_Mel_Butler_p/lrcd-1063-64.htm

Das besondere an dieser Aufnahme ist die Bonus-CD. Hier wurde die Original-Aufnahme durch den Computer gejagt und die Akustik der Kathedrale in Chartres hineingerechnet: Die Bässe wummern mehr, Obertöne sind gedämpft und natürlich hört man mehr Hall.

Interessant liest sich in diesem Zusammenhang einige Bemerkungen im Booklet.
Das Oberlin-College ist ein musikwissenschaftliches Zentrum für die Erforschung cavaillé-Colls Arbeit, was der Grund dafür war, eine französisch-sinfonische Orgel im Stile Cavaillé-Colls zu bauen. Aber gerade die berühmte Musikforscherin Barbara Owen legte dann bei einer Oberlin-Konferenz als Gastrednerin den Finger in die Wunde, in dem sie sagte, dass diese Raum-Orgel-Kombination eigentlich der britischen Town-Hall-Tradition entspräche. Und französische-Symphonische Musik ist nicht in erster Linie für dieses Umfeld geschaffen worden. (Ah, dazu braucht's also jemand von außerhalb, um das zu erkennen. ;) )

Man beschloss, die sich rasch entwickelnde Computer-Technik, Musikwiedergaben wie in verschiedenen Räumen zu simulieren (man denke an verschiedene Konzertsäle und eben auch Sakralräumen), anzuwenden und dieses Tournemire-Programm eben mit der "richtigen" Akustik einer europäischen Kathedrale zu versehen, für die diese Musik (eigentlich) auch geschrieben wurde. Das Ergebnis wurde zum Vergleich als kostenlose Bonus-CD beigegeben, der Hörer könne selbst entscheiden, was ihm besser gefalle und was er als "authentischer" empfinde.

Mich würde nun die Meinung dazu von euch interessieren.

Natürlich waren Aufnahmen schon immer Gegenstand von technischen Manipulationen, das fängt schon mit dem Aufstellen der Mikros an, dann geht's mit Aufnahmepegel, Aussteuerung etc. weiter. Und Orgelaufnahmen sind - gerade wegen des für Tontechniker störenden Halls - besomders anfällig für Manipulationen. Ist zuviel Hall, wird direkter aufgenommen, ist zu wenig da, wird gerne Hall dazugemischt.
Aber dieses Vorgehen ist ja nun schon recht extrem...

Gruß
Karsten


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