Orgelmusik in katholischen und evangelischen Gottesdiensten
Beim Einzug hält sich die Musik nicht im Hintergrund. Und anstatt Säuselmusik zur Kommunion zu spielen, soll man lieber "akustischen Weihrauch" produzieren - wenn es Raum und Instrument zulassen. Vorbild: Frankreich.
Hallo, das kommt immer drauf an, ob der Pfarrer richtig einzieht. Meistens kommt er nur aus der Sakristei und dann wollen die Leute gleich nach der kurzen Intonation das Eingangslied singen.
Nur improvisieren? Das ist doch die Chance! Ist ein Organist, der nicht improvisieren kann, eigentlich ein Organist? Haben wir nicht an diesem Punkt allen anderen Instrumenten (bzw. deren Spieler) etwas voraus? zumindest in der E-Musik...
Ich bekenne mich hier ganz öffentlich dazu, nicht improvisieren zu können. So, jetzt ist es draußen. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, die "anonymen Literaturspieler" zu gründen. Ob ich ein Organist bin, kann ich jetzt nicht mehr sagen, aber seit dem ich weiß, dass sich jeder Orgelsachverständiger nennen darf, bin ich halt jetzt so einer.
Orgelmusik als eigenständiges Element gibt es in der katholsichen Kirche kaum. angenehm überrascht war ich als ich in Berlin einmal einen evangelischen Gottesidenst besuchte, da gabs erst einmal ein Mendelssohn Praeludium mit Fuge am Beginn, und der Pastor hat gewartet bis es aus ist.
Simmt, in evangelischen Gemeinden (zumindest in der niederbayerischen evangelischen Diaspora) sind die Kirchen bei Orgelkonzerten zum Anschlag gefüllt. Ich glaube, dass dieses Phänomen ein Resultat der Orgelbewegung und derern "Orgelfeierstunden" ist. Man müsste die Katholiken erst mal dazu erziehen, der Orgelmusik zuzuhören, aber das ist das geringste Problem der katholischen Kirche, denn der Fisch fängt ja bekanntlich am Kopf das stinken an.
...allerdings wäre ich auch überfordert jeden Sonntag ein Konzertstück liefern zu müssen - aber man sollte in der katholischen Liturgie zumindest ab und zu auch Platz.
wäre ich eigentlich nicht. Ich will mich ja jetzt nicht selbst loben, aber Konzertreif ist die Literatur, die ich so abliefere meist schon. Ich hab mich oft gefragt, wie meine Arbeit bei den Evangelen so ankommen würde, es müsste schon Spaß machen, die Literatur nicht nur für sich zu spielen.
für bewusst wahrgenommene Orgelmusik schaffen - was sicher stark vom Pfarrer abhängig ist.
Mein Pfarrer ist eigentlich nicht unmusikalisch, auch für Orgelmusik hat er durchaus Sinn, aber den Leute in unseren Breiten ist das sowas von egal, weil die sagen sich "des kenn ma mir eh ned, da san mir z'bläd". Jetzt kann man sich natürlich Fragen, woher diese Einstellung kommt. Ich glaube, die kommt noch ganz stark aus der Zeit, als der gefürchtete Schullehrer orgelspielte und er dadurch aus dem Ganzen etwas pseudoelitäres machte, was sowieso nur "G'studierte" verstehen. Ich kann mich noch gut an meine alte Schuldirektorin erinnern. Eine große Frau in Pelzmänteln im Winter und mit großen Hüten im Sommer, die mit lämpeligen Gesten die üblichen Verdächtigen "Bux-Lü-Ba" der Peters-Edidion auf ihrer "hochheiligen" Weise-Kiste zum Besten gab. Mich hat das als Kind immer sehr beeindruckt, wie sie die Pedalsoli theatralisch und unter großer "Bewegung" spielte. Zu ihrer Verteidigung muss ich noch sagen, dass wir in der Schule wirklich ernsthaften Orff-Unterricht hatten und sie auf dem Gebiet des Kinder und Kirchenchors ein Niveau erreicht hat, dass sich durchaus hören lassen konnte. Sie hat ihr ganzes Leben "ihre" Orgel unter Verschluss gehalten, jetzt ist sie fast 80 und es ist kein Nachfolger da.
So spielen, dass es wahrgenommen wird - ob mit oder ohne Improvisation. Auf jeden Fall: Vorbereitung ist die halbe Miete. Vor einigen Monaten erhielt ich am Donnerstag die Lieder und ich hatte zwei Tage Zeit: Ich bin selten so zufrieden aus der Messe gegangen wie an diesem Sonntag. Vorbereitungszeit: ca. 8 Std. Leider klappt das zu selten...
Stimmt auch, mein Pfarrer weiß eigentlich, dass ich immer um 16 Uhr am Samstag komme und meine Lieder will, trotzdem ist er oft nicht zu hause, oder immer noch überrascht. Dann muss ich erst mal ins Büro, wo wiederum ein viertel Stunde vergeht. Um halb 5 kann ich dann meine Orgel einschalten und habe bis um halb sieben Zeit. In dieser Zeit übe ich dann aber lieber meine Literatur, denn die ist mir persönlich wichtiger, als die Vorbereitung der Intonationen und dergleichen.
Das größte Problem der Orgel ist, dass sie eigentlich jedem gehört und doch keinem. Wertvolle Instrumente werden vielfach von ignoranten Mädls gespielt (und ja, die schlechtesten die ich gehört habe, waren Mädls und ich bin kein Sexist), die vieleicht zwei Jahre "Klavierunterricht" an der Hintergscherdhapfinger Volkshochschule genossen haben. Solche Organisten haben nur den Vorteil, dass ihnen ihre Orgel egal ist und sie deshalb das Ding nicht verschlimmbessern wollen. Den "orgelinterssierten" Typus des Organisten kennen wir ja bereits zu genüge. Ein richtiger Orgelfreund ist das. Solch Expemplare finden sich in Kaufbeuren, München, in der Wies, Regensburg (das Projekt "NPK" ist ja glücklicherweise vom Tisch, denn das ist ein Spitzengerät, das da drin steht!) und wie ich gehört habe gibts in Dortmund auch so Einen (diese Projekte habe ich nur erwähnt, weil dieselben ja bereits kritisch im Forum diskutiert worden sind, sie stehen nur als Beispiel dafür, dass in vielen Orgelneubauprojekten heutzutage ganz gewaltig was schief läuft ). Dann wird eben gesammelt, für den Neubau oder für eine "Reorganisation", und keiner stellt sich die Frage, warum denn der Vorgänger auf dieser ach so schlechten Orgel spielen konnte. Was antworten die Herren denn dann, das würde ich zu gern wissen.
Ich erachte es eigentlich als Teil meiner Bildung und als Teil meiner Kultur, die Orgel zu spielen, wenn es uns gelingen würde, so eine Einstellung zu etablieren, hätten wir keine Probleme (aber eher funktioniert noch die ökonometrisch gestützte Planwirtschaft). Ich weiß nicht ob mich das zu einem Organisten macht, aber eins weiß ich, solange sich die Organisten untereinander Steine in den Weg legen und solang die Geistlichen den Organisten Steine in den Weg legen, wird das nichts mit der Orgelmusik weder katholisch noch evangelisch.
Grüße Franz
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