Orgelmusik in katholischen und evangelischen Gottesdiensten

Bariolage @, Samstag, 04. Juni 2011, 11:19 (vor 5631 Tagen) @ orgelsolo

Ich bin katholisch und als Organist ist es hauptsächlich Aufgabe Hintergrundmusik zu liefern, was mich manchmal ein bissl ärgert.

Beim Einzug hält sich die Musik nicht im Hintergrund. Und anstatt Säuselmusik zur Kommunion zu spielen, soll man lieber "akustischen Weihrauch" produzieren - wenn es Raum und Instrument zulassen. Vorbild: Frankreich.

Für Literaturspiel ist dieses Timing sehr schwer umzusetzen - weshalb man eigentlich nur improvisieren kann.

Nur improvisieren? Das ist doch die Chance! Ist ein Organist, der nicht improvisieren kann, eigentlich ein Organist? Haben wir nicht an diesem Punkt allen anderen Instrumenten (bzw. deren Spieler) etwas voraus? zumindest in der E-Musik...

Orgelmusik als eigenständiges Element gibt es in der katholsichen Kirche kaum. angenehm überrascht war ich als ich in Berlin einmal einen evangelischen Gottesidenst besuchte, da gabs erst einmal ein Mendelssohn Praeludium mit Fuge am Beginn, und der Pastor hat gewartet bis es aus ist.

Den Raum für die Orgelmusik muss man sich erarbeiten. Und dann braucht man nicht auf die Sekunde aufhören. Zeit lassen. und wenn der Pfarrer diese grundsätzlich nicht hat, dann ist er verkehrt als Leiter eines Gottesdienstes.

...allerdings wäre ich auch überfordert jeden Sonntag ein Konzertstück liefern zu müssen - aber man sollte in der katholischen Liturgie zumindest ab und zu auch Platz
für bewusst wahrgenommene Orgelmusik schaffen - was sicher stark vom Pfarrer abhängig ist.

So spielen, dass es wahrgenommen wird - ob mit oder ohne Improvisation. Auf jeden Fall: Vorbereitung ist die halbe Miete. Vor einigen Monaten erhielt ich am Donnerstag die Lieder und ich hatte zwei Tage Zeit: Ich bin selten so zufrieden aus der Messe gegangen wie an diesem Sonntag. Vorbereitungszeit: ca. 8 Std. Leider klappt das zu selten...


gesamter Thread:

 

powered by my little forum