Orgelstücke von Pierre Cochereau

Werni @, Mittwoch, 21. November 2012, 18:28 (vor 5092 Tagen) @ OrganisteTuttilaire

Was transskribierte Impros angeht: da hilft eine Suche in den Musikalienshops. Die entsprechenden Impros kann man sich dann ja auf dem gezeigten Weg zu Gemüte führen.

Ich warne aber vor unkritischem Gebrauch! Unbedingt korrekturhören beim Lesen! David Briggs' Retranskriptionen sind ziemlich gut, die von Lombard hingegen voll von Vereinfachungen und Fehlern, zumindest in der Erstausgabe von Chantraine, weiss nicht, ob das später redigiert wurde. Einfach die Noten abspielen geht in keinem Fall. Da muss noch viel eigene Arbeit rein. Die meisten gedruckten Noten sind allenfalls eine Lesehilfe zur Entschlüsselung seiner unerhört genialen Tonsprache, mehr aber auch nicht.

Außerdem muss man sich seine musikantische Attitüde zu eigen machen, Impros authentisch nachspielen zu wollen. Ich kenne keine einzige Aufnahme, die mich im Vergleich zum Original auch nur annähernd überzeugt hätte. Hinzu kommt, dass kaum ein Instrument auf dieser Welt geeignet ist, für Notre-Dame de Paris geschaffene Musik angemessen wiederzugeben.

Pierre Pincemaille vertrat mir gegenüber mal die Auffassung, dass man Improvisationen grundsätzlich nicht "nachspielen" sollte, weil es immer Abklatsch bliebe. Recht hat er!

Bevor ich etwas hierzu sage, stelle ich mich kurz vor als einer der Organisten von St. Paulus in Göttingen, ich bin aus Neuss zugezogen - liebe Grüße an Herrn R. Kluth!

Zum Thema: Es gibt sowieso nicht viele Improvisationen, die es lohnen, verschriftet zu werden. Improvisationen sind grundsätzlich - das handwerkliche Können setze ich natürlich voraus - von Tagesform, persönlicher Stimmung und Kondition zu einem großem Teil abhängig. Aber es gibt auch Momente, wo alles zusammen passt: Orgel, Organist, persönliches Befinden. Einen solchen Moment scheint mir Cochereau bei seinem improvisiertem Scherzo symphonique gehabt zu haben - ein wie ich finde genialer Wurf. Klug und effektvoll angelegt mit Tutti am Anfang und am Ende das Absterben des Klanges mit den beiden Aufwachakkorden.
Jeremy Filsell scheint mir - vielleicht noch Kalevi Kivinimie, der neben dem "Original" auch eine eigene Improvisatio in St. Ouen nach gleichem Muster spielte - derjenige zu sein, der diese Improvisation und ihr Potential kongenial verstanden hat. Die von ihm benutzte Orgel in Liverpool scheint mir ebenfalls nicht ungeeignet zu sein.

Aber hören Sie doch selbst: http://www.youtube.com/watch?v=sGC_JPgW5Qc&list=FLjuB79so58QFPxp6KJSlk5Q&index=...

Liebe Grüße aus Waake

Gerhard Wernecke


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