Laukhuff schließt

friedemannw @, Gießen, Samstag, 12. Juni 2021, 18:27 (vor 1920 Tagen) @ MichaelS

Vermutlich multifaktoriell. Die Situation im Orgelbau ist alles andere als rosig.


Nach meiner Kenntnis haben zumindest hier in Mitteldeutschland die Orgelbauer sehr gut zu tun; es ist ausgesprochen schwierig, jemanden für ein kleineres Projekt zu bekommen.


Das habe ich gestern wieder bestätigt bekommen. Die Orgelbauer haben sehr gut zu tun. Teilweise auch gerade durch Corona, weil so manche Ausreinigung und Überholung vorgezogen wurde seitens der Kirche, wenn jetzt sowieso die Kirchen gerade weniger Betrieb haben und solange der Corona-Knick in den Kirchensteuern noch nicht in den Gemeinden angekommen ist.

NOCH haben Sie gut zu tun. Die Kirchen kürzen die Fördermittel wegen der ausbleibenden Gelder; das wird der Orgelbau in den nächsten Jahren zu spüren bekommen. Sagte mir so auch der Inhaber eines mitteldeutschen Orgelbaubetriebes.

Allerdings hat mir der Orgelbauer, mit dem ich gestern an der Orgel zu tun hatte, auch bestätigt, dass außer dem Gebläsemotor an dieser Orgel nichts von Laukhuff kam/kommt.
Vorbei sind eben die Zeiten, in denen Orgelbauer mehr Neubau-Aufträge haben als sie bewältigen können und dann eben im großen Stil vormontiert und vorintoniert beim Zulieferer bestellen. Heute tut man sich zusammen, heute wünscht der Auftraggeber Individualität statt Stangenware.

Individualität hat ihren Preis. Für Katalog-Teile gibt es Vorgaben und raffinierte Vorrichtungen zur effektiven Herstellung der Teile. Für individuelle Teile läuft es wie bei jeder Firma auf kostenspieligere Einzelfertigung hinaus.
Und das machen die Firmen dann doch lieber selber. Außer das, was ihre Möglichkeiten übersteigt, z.B. große Prospektpfeifen etc.

Im Übrigen sind ja auch jene Orgelbauer, die solche Baukasten-Orgeln bei Laukhuff bestellt haben vom Markt verschwunden.
Wo früher bei großen und mehrteiligen Neubauprojekten noch vermerkt wurde, dass Heuss oder Laukhuff den Zentral- bzw. Generalspieltisch geliefert haben baut heute Klais mal eben den Generalspieltisch für´s Freiburger Münster, obwohl die dort sonst nicht mit orgelbaulicher Leistung vertreten sind und auch nicht vor der Haustüre residieren.

Sicher, dass der Spieltisch direkt aus dem Hause Klais stammt? Es werden oft große Geheimnisse über die Herkunft von Orgelteilen gemacht. JEDER Orgelbauer bestellt(e) irgendwas bei ALW oder bei anderen Zulieferern. Aber nur die Wenigsten stehen auch dazu. Das sorgt nicht für gute Werbung für ein Unternehmen.
Man kann doch dazu stehen: Wir haben das Teil bei diesem Spezialisten gekauft, weil wir die hohe Qualität schätzen. Ist doch in mittlerweile fast jeder Branche so. Da konnte ALW keine Werbung für sich machen. Man schaue sich z.B. die Firma Shires Organ Pipes in England an: vertreten in den "sozialen" Netzwerken, immer aktuelle Fotos der Produktion, oft namhafte Kunden, die zu den hochwertigem Zulieferpfeifen stehen. DAS ist es. SO läuft es.


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