Widor-Toccata

Flûte harmonique, Freitag, 12. September 2014, 12:17 (vor 4437 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Flûte harmonique, Freitag, 12. September 2014, 12:25

....indem man das besagte e unterschlägt. Es fällt nicht weiter auf. (Vielleicht kann man ja bei entsprechend ausgestatteten Orgeln mit Pedal-Superkoppel das e mit dem rechten Fuß antippen und vor dem Pedaleinsatz dann blitzschnell noch die Kombination wechseln....achung, nicht so ganz ernstgemeint.....) Am ehesten könnte ich es noch mit der rechten Hand spielen, aber das hängt dann auch von den Tastenmensuren ab, und die Versuchung, die Achtel dann als Sechzehntel zu spielen, ist natürlich da.

Was spricht denn dagegen (oder: wer verbietet es), das obere e des Akkordes mit der rechten Hand zu spielen? Die rechte Hand muss nur dreimal kurz eine Oktave greifen, und natürlich werden die notierten Achtel der linken Hand an dieser Stelle zu Sechzehnteln, da durch die repetierten Akkorde die Notenwerte halbiert werden.


Ähnlich ist es übrigens bei der 6. Symphonie: bei den vollgriffigen Akkorden vor allem in deren 1. und letzten Satz käme ich auch an die Grenzen (wenn ich's denn mal ernsthaft üben würde). Widor, Franck, Vierne - die müssen Riesenpfoten gehabt haben. Guilmant hatte kleine Hände - was ihn nicht nur von den anderen, sondern auch von Rachmaninov unterschied....

Überdurchschnittlich große Hände hatten Vierne und Widor nicht, was man anhand zahlreicher Bilder (und Zeitzeugenberichten) überprüfen kann. Eher schlanke Hände mit nicht sehr breitem Handrücken, aber längeren Fingern. Weitere Griffe als Dezimen wie c-e oder f-a habe ich in ihren Orgelwerken nicht gefunden.

Anders bei Franck: er hatte Hände, die ihm erlaubten, mühelos ein Intervall wie e-gis (z. B. im Mittelteil des "Final") zu greifen.

Dass Guilmant kleine Hände hatte, kann ich nicht ganz glauben: zwar schreibt Hans Uwe Hielscher in seinem Buch, dass Guilmant gerade noch eine None greifen konnte, aber andererseits spielte er regelmäßig Orgelwerke von Franck, Vierne und auch Rheinberger in seinen Konzerten, bei denen sich Dezimenspannen nicht immer umgehen lassen, und auch sein eigenes Werk "Marche funèbre et chant séraphique", das an exponierter Stelle am Schluss Dezimen in beiden Händen erfordert. Alexandre Guilmant hatte, anhand der existierenden Bilder zu urteilen, Hände mit nicht sehr langen Fingern, aber einem breiten Handrücken.

Gruß,
Martin


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