Widor-Toccata

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 11. September 2014, 23:03 (vor 4434 Tagen) @ mh

Hallo,
eine Frage an alle Spieler der Widor-Toccata:
Im Takt vor dem ersten Pedaleinsatz ist auf Schlag 3 und 4+ in der linken Hand das e2 zu spielen. Während das erste und zweite e recht bequem mit der rechten Hand mitzugreifen ist, sieht es beim dritten e schon schwieriger aus.
Wenn man diverse youtube-videos ansieht, finden sich die unterschiedlichsten Ansätze, bis hin zum weglassen aller drei Töne.
Wie meistert ihr diese Stelle?
Grüße
MH

....indem man das besagte e unterschlägt. Es fällt nicht weiter auf. (Vielleicht kann man ja bei entsprechend ausgestatteten Orgeln mit Pedal-Superkoppel das e mit dem rechten Fuß antippen und vor dem Pedaleinsatz dann blitzschnell noch die Kombination wechseln....achung, nicht so ganz ernstgemeint.....) Am ehesten könnte ich es noch mit der rechten Hand spielen, aber das hängt dann auch von den Tastenmensuren ab, und die Versuchung, die Achtel dann als Sechzehntel zu spielen, ist natürlich da.

In den 1980ern gab es mal Aufnahmen aus Notre-Dame mit Philippe Lefebvre, die im NDR als Ein-Stunden-Film ("Orgelromantik") bzw. Halbstunden-Special ("Die Orgel in Notre-Dame") liefen, moderiert von Günther Bock, Hans Haselböck bzw. dem früheren Lübecker Domorganisten Uwe Röhl und Gerd Albrecht. Am Ende spielte Lefebvre - zu spätsommerlichen Impressionen aus Paris - dann die Widor-Toccata als unglaublichen "Höllenritt" (schon die Improvisation, mit der er die Aufnahmen aus Notre-Dame eröffnete, hätte den Titel "Nacht in Transsylvanien, Dracula erwacht" haben können......), ein psychologisch atemberaubender 4 1/2-Minuten-Rausch. Ich nahm den Film auf - und als ich dann die Noten hatte, siehe da: er ließ das besagte e auch weg. Man konnte es sehen, weil diese Stelle im Film von halb unten aufgenommen worden war: da, wo die e-Taste ist, bewegte sich nichts. Im Zeitlupenmodus des Videorekorders war es deutlich auszumachen.

Ähnlich ist es übrigens bei der 6. Symphonie: bei den vollgriffigen Akkorden vor allem in deren 1. und letzten Satz käme ich auch an die Grenzen (wenn ich's denn mal ernsthaft üben würde). Widor, Franck, Vierne - die müssen Riesenpfoten gehabt haben. Guilmant hatte kleine Hände - was ihn nicht nur von den anderen, sondern auch von Rachmaninov unterschied....

Gruß,
Wolfgang


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