VOD/BDO-Tagung 2014 in Köln (II)
Engagiert widersprachen Susteck Rudolf Meyer aus Winterthur, Frank Weimbs und Kristian Wegscheider - und auch ich. Mir selbst ging es dabei um das Können guter Organisten, von dem ich glaube, daß es solche "Effekte" nicht zwingend braucht - mein Beispiel war, wie in Lübeck (wenn auch dort in anderem Zusammenhang), das herausragende Improvisationskonzert Wolfgang Seifens zu Murnaus "Faust"-Stummfilm im Rahmen des letzten Hamburger Orgelsommers im Hamburger Mariendom. Diese Orgel erfüllt keine der Bedingungen Sustecks - und trotzdem macht sie überragende Musik möglich. Von daher scheint mir das *prinzipielle* Formulieren solcher Anforderungen problematisch.
Ohne Wolfgang Seifens (zwefelos überragenden) Improvisations- und Kompositionskünste schlecht reden zu wollen: Er ist ja nun das schlechteste Beispiel für anvantgardistische Musik. Oder ich habe mit dem erwähnten Lübecker Konzert das eine Konzert verpasst, in dem er etwas völlig anderes gemacht hat.
Ich habe auch gestutzt, als ich das las. Aber ich vermute, dass es hier um das Missverständnis Wolfgangs (und vielleicht anderer Teilnehmer) ging, was von Seiten Sustecks mit "Schlagwerk" und wie dessen Einsatz gemeint war. Eben nicht der Einsatz im Sinne der Kino-Wurlitzer-Orgel, wie man es aus der Stummfilmbegleitung her kennt, sondern in einem neuen, eben Avantgarde-Sinn. Wolfgang Seifen und andere auch braucht solche Effektregister für Stummfilmbegleitung gerade nicht. Daher wurde er angeführt.Wolfgang räumt ja auch später ein, dass die Privatvorführung Sustecks ihm Augen und vor allem Ohren geöffnet hat.
Gruß
Karsten
....ja, darum ging es. - Was Du - Karsten - angesprochen hast, ist im Prinzip natürlich richtig: die Diskussion um die Ergänzung der Orgel ist nicht neu. Was GWM in seiner Darstellung der Diskussionen der späten 1960er beschreibt (übrigens ganz verdienstvoll, wie ich finde, denn der O-Ton der damaligen Diskutanten ist sehr interessant zu lesen...), wird auch heute noch diskutiert, nur eben ohne die Euphorie bzw. den Zukunftsglauben, der aus den Äußerungen Eggebrechts noch herauslesbar ist (wobei dessen Wortwahl gegenüber Werner Walcker-Mayer stellenweise erstaunlich "unakademisch" ist...).
Eines der Argumente von Wegscheider und auch Rudolf Meyer fiel mir zwischenzeitlich wieder ein: Meyer sprach von "Bescheidenheit" (nicht ganz unproblematisch, weil es etwas moralisierend klingt, wo es nicht um Moral geht) in dem Sinne, daß man als Musiker nicht alles können müsse; Wegscheider sprach von der sinnvollen Begrenzung und nannte als Beispiel den Maler oder Zeichner, der als erstes durch die Wahl des Formats seinem Werk bewußt Grenzen setzt, was aus seiner Sicht auch für Orgeln gelte.
Vor kurzem war an "meiner" Orgel der wartende Orgelbauer der Erbauerfirma zur Stimmung; er meinte zu mir: "...wir wollen Instrumente bauen, keine Maschinen". Die Kölner Diskussion zeigt, daß sich die Orgel immer noch zwischen diesen beiden Extremen bewegt und wahrscheinlich weiter bewegen wird: Klangmaschine oder Instrument. Denkt man vom klassischen Verständnis als Aerophon her, fallen Zutaten wie Schlagwerke oder elektronische Register natürlich aus dem Rahmen, während Register wie die "Trillerpfeife" noch im Rahmen des klassischen Verständnisses der Orgel sind. Auch deshalb sagte mir St. Peter mehr zu als die mit elektronischen Ergänzungen ausgestattete Orgel in St. Rochus.
Ich kann beide "Extreme" verstehen, Susteck/Bares einerseits wie Meyer/Wegscheider andererseits. Nach der Vorführung durch Dominik Susteck (der mir übrigens meine kritischen Anmerkungen vom Vortag nicht "krumm" nahm), sehe ich die unterschiedlichen Konzepte als großen Gewinn, und nochmal: in St. Peter "paßt" diese Orgelanlage. Eigentlich ist es doch gut, wenn sich auf vergleichsweise engem Raum so unterschiedliche Konzepte wie in St. Peter, der Antoniterkirche, St. Rochus, im Dom oder St. Ursula finden (den "Rest" der Kölner Orgeln mal außen vor gelassen...). So ein mitteltöniger Prinzipal, von einer sensitiven Mechanik angespielt, hat ebenso seinen Reiz, dito ein raumfüllendes Monstrum wie im Dom oder ein auf große Repertoirebreite angelegtes, aber trotzdem überschaubar angelegtes Konzept wie in der Antoniterkirche.
Gruß,
Wolfgang
PS: im Hinblick auf die Diskussion zum Umgang mit alternder Orgelelektrik ist der Text von GWM auch interessant: dort läßt sich nachlesen, daß die "Volumina" die Sicherungen der Orgel, auf der sie zuerst gespielt wurden, zum Schmelzen brachte - ohne Kurzschluß......
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Wolfgang Gourgé,
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