... Prävention

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 06. April 2025, 17:18 (vor 522 Tagen) @ elias.orgel

Nicht auszuschließen, dass ich für schlimmste Traumata und spätere, nahezu untherapierbare, psychische Störungen verantwortlich gemacht werden kann...

Isso. Ein Klassenkamerad ist in der 9. ausgetickt und nicht wieder in's normale Leben zurückgekommen.
Zu den geringeren Ingredienzen - die größeren waren familiär - gehörte, dass unser Musiklehrer in sicherlich pädagogisch-menschlicher Absicht seine Hände um eine Hand seines Schülers legte. Eigentlich wollte er ihn nur nachdrücklich ermuntern, sich mehr anzustrengen oder so was.

Eine ähnliche Geste erinnere ich mir gegenüber von meinem Orgellehrer. Ich wusste, dass er in diesen Dingen etwas ungewöhnlich und auch ungeschickt war, kannte ihn auch schon. Aber mir war klar, dass es hier um eine völlig "unproblematische" Zuneigung ging. Trotzdem war es nicht angenehm.

Und was ist mit dem Händereichen zum Friedensgruß, zum Abendmahlskreis? Mir selbst eher unangenehm, aber wir vergessen noch kurzer Initiative immer schnell, alternative Gesten anzubieten und vorab auch zu erwähnen. (Habe ich vorbildlich im Lübecker Dom erlebt).

Als ich unseren Kinderchor mit meiner Frau leitete (bzw. ich am Klavier korrepetierte), hatten wir Kinder, die ein wenig aus dem Rahmen fielen, zu mir auf die Klavierbank gesetzt. Es schien uns sinnvoller als sie mal vor die Tür zu schicken. (Für eine sogenannte "Laufkarte", wie sie in einer örtlichenb Grundschule angeboten wurde, war unser Gemeindehaus nicht geeignet). Da ich die Kinder neben mir nicht weiter beachtete oder nervte, hielten wir es für eine gute Idee. Sie blieben an der Musik dran, waren aber von ihrem eigentlichen "Publikum" der Gruppe, kurzzeitig abgetrennt.

Ich schreibe das hier, nicht weil ich stolz darauf bin, sondern damit demonstrieren möchte, auf was für problematische Ideen man in bester Absicht kommen kann.

Als ich bereits "geschult" war, erlebte ich in einer Probe mit einigen Teenager-Mädchen, dass eine weitere männliche Person, die im Gemeindehaus unterwegs war, sich für die Chorprobe interessierte. Ich nahm es zunächst noch locker, doch als der Mann bei einem Chor-Mädchen von hinten über die Schulter in die Noten gucken wollte und ich merkte, dass es vor allem um die Nähe zum Mädchen ging, bat ich ihn, uns doch wieder zu verlassen (er hatte vorher ebenfalls in dem Raum zu tun). Er merkte dann scheinbar, was ich zumindest unterstellt habe und er vielleicht auch (unbewusst?) verfolgte, war peinlich berührt und entschuldigte sich.

Die wenigen Fälle, wo ich alleine mit Erwachsenen bin (Stimmbildung, Vorsingen), unterliegen auch einer noch größeren Sorgfalt als früher. Und es geht ja nicht nur um Sexuelles und dort ja auch nicht nur um Straftatbestände, sondern um die Kleinigkeiten, um jede Machtausübung und Demütigung.

Wie weit gehe ich dabei, wenn ich Einzelne oder kleinste Gruppen in einer größeren etwas singen lasse, und nur, weil ich chorpädagogisch die Bedürfnisse herausfinden will?
Das gehört alles zur Präventionsarbeit.
In unserem Kirchenkreis ist das eine hauptamtliche Stelle mit einem Sozialpädagogen, der die Gemeinden berät und diese Schulungen anbietet, auch unser eigenes Schutzkonzept abgesegnet hat.


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