Maxorgel, Konzert mit Martin Schmeding
Hallo Forum,
nachdem die Wogen über den Konzertbericht von Cantor hier hochschlagen (ich habe von dritter Seite auch einen negativen Eindruck von diesem Konzert vermittelt bekommen), will ich trotzdem über Martin Schmeding an der Maxorgel schreiben.
Zuerst mal das Programm:
Bach-Liszt: Einleitung und Fuge aus der Kantate “Ich hatte viel Bekümmernis”
Bach: “Allein Gott in der Höh sei Ehr” BWV 662
Bach-Landmann: Chaconne d-moll aus BWV 1004
Rinck: Allegro maestoso aus Flötenkonzert F-Dur op. 55
Blarr: Estampe II für Orgelpedal solo (Stantes erant pedes nostri in portis tuis, Hierusalem), Psalm 121,2, Uraufführung
Mendelssohn-Schmeding: Variations sérieuses d-moll op. 54
Nishimura: Vision in flames (1996)
Brahms: “Es ist ein Ros entsprungen” op. 122,8
Reimann: Fantasie und Fuge über “Wie schön leuchtet der Morgenstern” op. 25
Im Grunde ein Programm zum Zungeschnalzen! Wann bekommt man solche Sachen je zu hören? Schmeding hat sie drauf und präsentiert sie gerne. Aber war das gut für eine erste Begegnung mit einem neuen Instrument? Es war ja nicht ein größerer Titel dabei, den man von anderen Orgeln im Ohr hatte. Vergleiche kann man also nicht anstellen. War das Zufall oder gewollt?
Musikalisch war der Abend jedenfalls ein Gewinn. Lediglich der Rinck fiel von der Substanz her etwas ab. Der langweilte auf Dauer schon. Alles andere war spannend, teilweise auch mitreißend - komponiert wie gespielt. Im einzelnen war es so:
Mit Pomp stieg Schmeding in die Kantate ein. Etwas schlanker die Fuge. Schon gleich hier zu Beginn wurde man auf die Bassstimmen aufmerksam, die an diesem Abend weiter auffallen sollten. Sehr kräftig. Das Choralvorspiel 662 hatte in der Sopranstimme eine wenig ausdruckstarke, etwas gehemmt wirkende Flöte. Die Chaconne ist natürlich hinreißende Musik - und was Arno Landmann damit gemacht hat, ist aller Ehren wert. Schmeding nutzte die Gelegenheit allerlei Register vorzuführen. Das kammermusikalische kam zwar nicht zu kurz, der große Gestus aber überwog. Auch hier mächtige Bässe. Über Rincks Flötenkonzert ist bereits das Nötige gesagt. Folgte die Uraufführung der Komposition von Oskar Gottlieb Blarr. Hätte es nicht im Programm gestanden, niemand wäre auf die Idee gekommen, daß das hier für Pedal solo geschrieben ward. Es klang vollgriffig. Formal konnte ich das Werk nicht entschlüsseln. Es gab aber höchst interessante Klangeindrücke, mächtige Erruptionen, Suhlen im Bass, Zwitschern in der Höh’. Hörenswert.
In Schmedings eigener Bearbeitung dann Mendelssohns Variations. Hier kamen erstmals auch weichere Stimmen zum Einsatz - eine Erlösung gegenüber all dem Vorigen. Das Werk wurde sehr geschmackvoll musiziert. In starkem Kontrast dazu Akira Nishimura: Ein mitreißendes Stück Moderne, klanggewaltig, rhythmisch prägnant - möchte ich unbedingt wieder hören. Mit Brahms trat dann wieder selige Ruhe ein, weich und schön. Schließlich Heinrich Reimanns Morgenstern. Viel zu schade zum Vergessen. Großartig inszeniert.
Ach ja, die Orgel. Wie schon angedeutet; mir waren die Bässe zu vorlaut. Das zog sich durch fast alle Stücke. Mit der Charakteristik der Flöten wurde ich auch nicht ganz warm. Die weichen Stimmen kamen dagegen schön. Eine Barockorgel ist das gewiß nicht. Eine romantische Orgel - wie an diesem Programm vorgeführt, schon eher. Aber das soll sie nicht sein - es gibt ja kein Schwellwerk. Ein merkwürdiger Zwitter also. Moderne geht bestens. Und mit der Stimmung hatte ich keine Probleme - oder klang BWV 662 deshalb so merkwürdig? Gemischte Gefühle also.
90 Minuten. Sehr herzlicher Beifall; Zugabe “Der Tag der ist so freudenreich” aus dem Orgelbüchlein mit recht statischer Oboe. Höchstens 150 Hörer (95% über 50) - es gab noch reichlich Platz.
Nun bin ich gespannt, was andere gehört haben.
Gruß Clemens Schäfer
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
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- Maxorgel - Reinhard Kluth, 12.12.2011, 20:56
- Maxorgel - stein, 12.12.2011, 20:59
- Sorry, war: Maxorgel; ist OT: Hindemith u.a. - Clemens Schäfer, 13.12.2011, 12:46
- Sorry, war: Maxorgel; ist OT: Hindemith u.a. - Frank Berger, 13.12.2011, 18:25
- Konzert Belmann - Cantor, 14.12.2011, 11:08
- Konzert Belmann - Florian-L, 14.12.2011, 13:51
- Konzert Belmann - doppelfloete_h, 14.12.2011, 14:31
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- Konzert Belmann - Cantor, 15.12.2011, 08:24
- Konzert Belmann - Contrebasson 32', 15.12.2011, 09:32
- Konzert Belmann - Antilope, 15.12.2011, 15:17
- Konzert Belmann - Reinhard Kluth, 15.12.2011, 19:17
- Konzert Belmann - Antilope, 15.12.2011, 20:46
- Konzert Belmann - Reinhard Kluth, 15.12.2011, 22:11
- Konzert Belmann - Antilope, 15.12.2011, 20:46
- Konzert Belmann - Reinhard Kluth, 15.12.2011, 19:17
- Konzert Belmann - Antilope, 15.12.2011, 15:17
- Kritik - Dorforganist, 16.12.2011, 12:47
- Konzert Belmann - Contrebasson 32', 15.12.2011, 09:32
- Konzert Belmann - Cantor, 15.12.2011, 08:24
- Konzert Belmann - Tabernakelwanze, 15.12.2011, 07:41
- Konzert Belmann - Contrebasson 32', 14.12.2011, 23:29
- Konzert Belmann - Antilope, 14.12.2011, 23:00
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- Maxorgel, weitere Konzerte - Clemens Schäfer, 16.12.2011, 11:24
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