Maxorgel

Contrebasson 32' @, Dienstag, 13. Dezember 2011, 00:31 (vor 5388 Tagen) @ Frank Berger
bearbeitet von Contrebasson 32', Dienstag, 13. Dezember 2011, 10:46

Dann bin ich wohl der einzige Forianer, der bei der Orgelführung dabei war (zur Messe und zum Konzert habe ich es leider nicht geschafft).

Vorweg sei geschickt, dass Markus Belmann für das Konzert am Abend ein sehr vielseitiges Programm vorbereitet hat (u. A. Teile einer Suite von Clérambault, Bach, Schumann, Mendelssohn, Langlais), das erahnen lässt, dass die Maxorgel vielseitiger ist, als es die Disposition vermuten lässt.

Nun aber zur Orgel bzw. zur Orgelführung. Insgesamt fanden am Nachmittag drei Führungen statt, von denen besonders die ersten beiden sehr gut besucht waren.
Nach einigen theoretischen Einführungen zur Historie der Kirchenmusik und der Orgelsituationen an bzw. in der Maxkirche sowie einigen Hinweisen zur Orgel ging es dann auf die Orgelempore (wo noch die Vorgängergruppe ihr Unwesen trieb).

Die nun folgenden Ausführugen zum Werkaufbau, den Gründen für einige Entscheidungen bzgl. Gesamtkonzeption sind alle auch auf der Webseite von Klais nachzulesen, wo Ausschnitte aus der Festschrift veröffentlicht sind, daher will ich diesen Teil überspringen.

Rein optisch macht die Orgel einen sehr guten Eindruck, die handwerklichen Arbeiten sind - soweit sichtbar - wie zu erwarten sehr gut und in der von Klais gewohnten Qualität ausgeführt.

Klanglich sind leider nur einige Einzelregister und wenige Beispielregistrierungen vorgeführt worden, hier sind wohl die Konzertberichte abzuwarten.
Mein persönlicher Höreindruck war der, dass - vllt. auch auf Grund der Orientierung an historischen Mensuren, Bauarten und Intonationstechniken - die Orgel nicht nach einer Klaisorgel klingt. Viele mir bekannten Klaisorgeln der letzten Jahrzehnte klingen insgesamt doch eher hart bzw. stählern. Das ist hier nicht der Fall. Einige Register (wie z.B. die Violdigamba oder die Principale) haben einen wirklich schönen Strich, die Aliquote zeichnet eine klangliche Präsenz im Raum ohne Penetranz aus.
In Anbetracht dessen, dass die Vorstellung der Register nicht sehr umfangreich war, möchte ich aber für genauere Infos auf die Konzertbesucher verweisen.

Die Seitenspieligkeit der Orgel ist sowohl dem historischen Vorbild, Vorteilen bei der Trakturführung als auch der Möglichkeite des Sichtkontakts zwischen Dirigent/Chorleiter und Organist ohne Spiegel geschuldet, bringt aber den Nachteil der erschwerten Abhörbarkeit der Orgel mit sich.

Gerade die Anlage des Spielschranks hat mich verwirrt, auch wenn es nachvollziehbare Gründe für die jetzige Lösung gibt (siehe oben). Hiermit meine ich aber weniger die Seitenspieligkeit als die Anordnung der Registerzüge und der Setzeranlage (Bild).

Links neben dem Manual befinden sich die Züge für das Echowerk, rechts neben den Manualen ein mit "Echo" bezeichneter Zug, der die Türen des Echowerks öffnet oder schließt. Über dem Notenpult befinden sich in drei Reihen die restlichen Registerzüge. Die oberste Reihe besteht aus den Manubrien des Hauptwerks, die mittlere Reihe stellt die Züge fürs Positiv und die untere Reihe besteht aus den Manubrien des Pedals. Dies dürfte für auswärtige Organisten, die darauf nicht hingewiesen wurden, verwirrend sein. Angesichts der Position der Manubrien, die gerade für darin weniger Geübte das schnelle Umregistrieren erschwert, sind sowohl die Schiebekoppeln als auch der Setzer eine sinnvolle Einrichtung.
Lediglich die Bauweise des Setzers irritiert mich. Diese kleinen schwarzen Taster werden m. E. eher als Fremdkörper empfunden als beispielsweise die Bauweise von Seifert in Bad Brückenau. Hier frage ich mich, ob nicht auch Klais eine ästhetischere Lösung hätte realisieren können (aber das ist natürlich ein Klagen auf hohem Niveau).

Soviel zu so später Stunde von mir,
gute Nacht!

Contrebasson 32'

PS: Ich bin doch erstaunt, dass es Menschen gibt, die den günstigen Moment nutzen, um sich von ihrer Gruppe zu trennen und - ohne vorher um Erlaubnis gebeten zu haben - sich einfach an die Orgel setzen und "Heil dir im Siegerkranz" anspielen...

Edit: Ich habe - dem Komfort wegen- mal die entsprechenden Links eingefügt, darüber hinaus sei noch angemerkt, dass die erste und die letzte Führung am Sonntag von Markus Belmann gemacht wurden, die zweite Führung jedoch von einem sehr lebendigen Dr. Hans-Wolfgang Theobald (Restaurator bei Klais).


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