Mutiger Prospekt

Friedrich @, Donnerstag, 08. Dezember 2011, 19:20 (vor 5392 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Friedrich, Donnerstag, 08. Dezember 2011, 20:45

… Ich komme auf diese Frage, weil ich im Rahmen eines Orgelumbaus mit einem Diözesanbaumeister zu tun hatte, der ganz stolz darauf war, dass die Orgeln, die er zu entwerfen/genehmigen hatte, immer so aussehen, "als hätten sie schon immer dort gestanden". Um ehrlich zu sein, empfand ich das nicht unbedingt als Ausdruck größter künstlerischer Kompetenz. Ich fragte ihn: "Hat nicht jede Zeit das Recht, sich künstlerisch auszudrücken?" Er antwortete: "Klar, in modernen Kirchen dürfen auch moderne Orgeln stehen!" Hmmm.

Das ist ja wohl der Alarmfall von Inkompetenz. Was hat der gelernt: Klempner? Bauhaus-Fachverkäufer? Einen künstlerischen Horizont kann einer, der solchen Schwachsinn von sich gibt, doch wohl nicht haben. »Schon immer«? Was für einen mythischen Zeithorizont pflegt denn dieser Herr in seinem Kalkhirn? Was für ein Konzept von Geschichte kann so einer jemals entwickelt haben? Besonders behagt mir das »dürfen«. »Dürfen« darf hier nur eins, nämlich gefeuert werden und fürderhin geölte Stilmöbel an ähnlich geschmacksverirrte und kunstferne Langsamdenker verkaufen.

Bitte entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber wenn einer, der Verantwortung für Kunst trägt, so enghirnigen Stuss von sich gibt, dann kommt's mir nur noch hoch. (Bezahlt der mir vielleicht die neue Tastatur?! Oder sein Bischof?)

Kann so jemand überhaupt denken? Auch eine Orgel im selbsttragenden, marmorierten Vollholz-plus-Profile-plus-Schleierranken-Gehäuse ist eine moderne Orgel, wenn einer mit einer solchen Ideologie im Jahr 2010 ihren Bau genehmigt hat. Das wäre einem Verantwortlichen noch vor hundert Jahren nämlich einfach nicht passiert.

Schäumenden Gruß,
Friedrich


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