Mutiger Prospekt

FranzS. @, Donnerstag, 08. Dezember 2011, 10:53 (vor 5391 Tagen) @ Fabian Brackhane
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 08. Dezember 2011, 22:47

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für die niederbayerische Provinz war dieser Prospekt von Walter Supper fast eine Provakation.


Es ist eben ein absolut typisch supperscher "Mäusezahn"-Prospekt. Erkennt man sofort. Ich halte diese Prospekte aber (bei aller hoch berechtigten Kritik, die man an Supper äußern kann) für in aller Regel äußerst gelungen. Für mich war damals derjenige in der Ravensburger Stadt ein absolutes Aha-Erlebnis.

Und auch in diesem Falle gilt in meinen Augen: Erkennbar modern, noch schlimmer: als ein Kind seiner Zeit. Und trotzdem absolut stimmig, kein Fremdkörper.

Fabian

Hallo,

für dich als Musikwissenschaftler dürfte noch interessant sein, dass es sich hierbei um die erste große komplett neu gebaute Schleifladenorgel im Bistum Regensburg handelt. Ebenfalls dürfte es sich um eine der ersten Orgeln Süddeutschlands handeln, bei der das Werkprinzip und die Ideen der Orgelbewegung so konsequent umgesetzt wurden. Die geistigen Väter der Orgel waren Walter Supper und Rudolf Quoika, die gesamte deutsche Fachwelt pilgerte damals zu dieser Orgel. Das Ding war wirklich einmal angesagt. Die Disposition geht allen gewagten Experimenten aus dem Weg und die Orgel klingt durchweg sehr gut. Sie wurde 1958 angefangen und 1960 eingeweiht, eine Ausführliche Weiheschrift sende ich gerne zu und bin diese Forumsmitglied "Gonzaga" auch noch schuldig, der so freundlich war mir einen Ars-Organi Artikel der Orgel zu senden. Sollten Sachverständige des Bistums oder der Region mitlesen, möchte ich diese auf den höchsten Denkmalwert dieser Orgel hinweisen, auch wenns in deren Augen eine "Quietschkiste" sein mag (eigentlich klingt die Orgel gar nicht mager, sondern schön ausgeglichen).

Hier noch die Disposition der Orgel

HW.
Quintade 16
Principal 8
Rohrflöte 8
Harfpfeife 8
Oktave 4
Gemshorn 4
Nachthorn 2
Blockwerk 3- 8fach 4 (leider zur Mixtur 4-fach umgebaut)
Trompete 8

RP.
Bordun 8
Principal 4
Blockflöte 4
Nasard 2 2/3
Waldflöte 2
Terz 1 3/5
Scharf 3-fach 1
Krummhorn 8

BW.
Hohlflöte 8
Gedackt 4
Principal 2
Sifflet 1 1/3
Oktävlein 1
Zimbel 2-3 fach 2/3
Musette 8

Pedal

Principalbass 16
Subbass 16
Oktavbass 8
Gedecktbass 8
Choralbass 4
Quintbass 5 1/3
Bauernbässlein 2
Rauschwerk 3- 4fach 2 2/3
Bombarde 16

Normalkoppeln
mechanische Spiel und Registertraktur.
Orgelbau Nenninger unter der Projektleitung von Prof. Rudolf Quoika und Prof. Dr. Walter Supper..
Die von Supper entworfenen Schleierbretter und die farbliche Fassung mit den bemalten Brustwerkstüren kamen leider nicht zur Ausführung.

Grüße
Franz


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