Skinner / Wanamaker usw.

Erzaehler70, Donnerstag, 01. Dezember 2011, 00:32 (vor 5396 Tagen) @ FriedemannW
bearbeitet von Erzaehler70, Donnerstag, 01. Dezember 2011, 13:31

Zwei exzellente CDs mit Thomas Murray: JAV Great Organbuilders <- klangliche Demostration der Orgel auf einer Doppel-CD mit Registervorführung
und The Transcriber's Art

Diese CDs kenne ich und teile Ihre Begeisterung. Was ich besonders überraschend finde ist, wie herrlich die Hindemith Sonate auf der Woolsey-Hall Orgel klingt. Das ist zwar eigentlich ein absoluter Stilbruch (denke ich), aber das Ergebnis ist faszinierend. Eine weitere geniale CD von Thomas Murray ist diese. Seit einigen Wochen ertappe ich mich immer wieder bei dem Gedanken "das ist die schönste symphonische Orgel, die ich bisher je gehört habe".


Auch heute werden drüben noch richtig amerikanisch-symphonische Instrumente gebaut, so z.B. von der Firma Schoenstein aus San Francisco (mit doppelten Schwellkästen etc.)

Das war für mich auch eine Riesen-Überraschung. Als ich in die Hörproben mit Werken von Schumann und Mendelssohn zum erstem Mal reingehört habe, glaubte ich zunächst an ein weiteres geniales Skinner-Opus. Dass es sich um ein neues Instrument handelt war doch sehr unerwartet und umso erfreulicher. Nur die Strings klingen m.E. bei der Woolsey-Hall noch einiges eleganter und fließender. Skinner und seine Leute scheinen in Bezug auf orchestrale Intonation wirklich bis heute immer noch das Non-Plus-Ultra zu sein.

Die Wanamaker-Orgel auf CD kann man m.E. am besten mit den Einspielungen von Grand Court Organist Peter Richard Conte erleben. Was inbes. auf der "Magic!" an orchestraler Power und Dynamik abgeht, macht mich jedes mal wieder sprachlos;-) Man sollte auf seine Lautsprecher / Kopfhörer achten, diese Power kann man regelrecht fühlen.


@ erzaehler70: Haben Sie Fotos von der Orchestral-Division und/oder der Vox Humana-Division der Wanamaker-Orgel? Die waren bei meinem Besuch noch an ihrem ursprünglichen Platz eingequetscht :-)

Ich habe die Orgel zusammen mit vielen anderen "freaks" am wanamaker organ day in diesem Sommer "bewandert". Die Vox humana Chamber stand nicht auf der Route, ich habe aber screenshots von der interessanten DVD "around the wanamaker organ in 80 mins", die ich hier mal anfüge.

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Es war an diesem Nachmittag alles ein wenig überwältigend und man hat schon mal kurz die Orientierung verloren, auf welcher Etage und in welcher Division man sich gerade befindet. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das die neue orchestral chamber ist.

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Und hier die String-Division, in dieser Art und Größe wohl einmalig auf diesem Planeten.

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Eine ganze Bildergalerie von diesem Tag von einem anderen Teilnehmer findet sich bereits hier, deshalb belasse ich es erst mal bei diesen Bildern. Allerdings glaube ich, dass manche Divisions dort nicht korrekt bezeichnet sind. Aber wie gesagt, es war alles etwas verwirrend. Wir waren an diesem Tag von früh bis abends in dem Kaufhaus und es war in jedem Moment absolut faszinierend. Besonders beeindruckt hat mich neben der Orgel selbst der Enthusiasmus und die Freude der vielen freiwilligen Helfer, die da schon mehrere Tage hart am Limit gearbeitet haben. Auch in der Orgelwerkstatt im Haus arbeiten neben den zwei hauptamtlichen Kuratoren immer wieder etliche Orgelbauer und Helfer mehr oder weniger ehrenamtlich und man merkt ihnen allen die Freude an, am Erhalt und der Restaurierung dieser einzigartigen Orgel mitzuwirken.

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Dank all dieser günstigen Umstände und jeder Menge Spenden sowie großzügigem Support durch die MACY´S Geschäftsleitung ist die Wanamaker - Orgel nun fast komplett restauriert und im ihrem besten Zustand seit Jahrzehnten. Meiner Meinung nach ein absolutes "MUSS" für Fans vom symphonisch-orchestralen Orgeln.

Hier ist noch schönes Video mit einer etwas anderen Aufführung von Händels Halleluja.

Die andere Überraschung war die Wurlitzer-Theaterorgel in der Greek-Hall im Wanamaker-Store. Peter Krasinski improvisierte fast 2 Stunden ohne Pause zu einem herrlichen alten Stummfilm. Die "normalen" Register dieser Orgel (Grundstimmen, Cornet, Zungen, Vox humana u.ä.) klangen an sich wunderbar füllig und satt, wie eine schöne romantische Orgel. Bei Anwendung der heftigen Tremulanten und der vielen Spezialeffekte merkt man dann allerdings schnell, dass man es hier mit einer anderen Orgelgattung zu tun hat. Es hat Riesenspaß gemacht und das Publikum war aus dem Häuschen

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In einem älteren Eintrag habe ich schon von der Firma Kutter berichtet, der Orgelneubau in Jena erinnert sehr an amerikanische Klangbilder! Herr Kutter als "Tonal Director" ist ein großer Skinner-Fan. Seine Oboen erinnern an ein Skinner-Flügelhorn, ausgewählte Streicher bekommen starken Strich, rund klingende Principale und Flöten (ohne starke Ansprachegeräusche) dazu die konsequente Verwendung von Oktavkoppeln zur Klangverstärkung und Erweiterung des Registerfundus.

Diesen Beitrag habe ich schon damals mit großem Interesse gelesen. Hört sich sehr interessant an und wäre sicher mal einen Besuch wert.Gibt’s denn vielleicht schon
ein paar Audio-Demos, die man hier posten könnte? Den KMD D. Regel kenne ich übrigens noch aus meiner Jugendzeit, als er noch Ingenieurwesen studierte und dabei schon bei dem legendären Erfurter Domorganisten W. Kümpel mit seiner Orgelausbildung zugange war. Der sagte mir schon damals öfter beim Unterricht sinngemäß, dass D.R. eine der größten Begabungen in seinem "Stall" sei.

Dieser Beitrag war interessanterweise schon der zweite Verweis beim Recherchieren zum Thema Skinner u. Co., der wieder in meine alte Heimat Thüringen führte. Der erste kam bei der Lektüre von Orgelfachliteratur um 1900 (G.A. Audsley u.ä.). Dort taucht immer wieder der Name Edmund Schulze aus Paulinzella auf. Die Firma Schulze war damals eine der führenden Orgelwerkstätten in Deutschland und darüber hinaus und speziell E. Schulze hatte einen enormen Einfluss auf den englischen Orgelbau seiner Zeit (Willis, T.C. Lewis, Harrison & Harrison), die damit wiederum Ernest Skinner teilweise stark beeinflußt haben. Daraufhin habe ich kürzlich bei einem Besuch in Paulinzella doch mal eine "transatlantische" Gedenkminute am Grab von E. Schulze eingelegt.

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Die Welt ist eben doch ein Dorf…….....

@FriedemannW.: Haben Sie vielleicht Fotos von der Woolsey-Hall-Orgel? Das würde mich äußerst interessieren. Die einzigen aus dem Inneren habe ich bis jetzt hier gefunden.


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