Interpretation Rheinberger-Sonate

Martin78 @, Freitag, 04. November 2011, 09:09 (vor 5422 Tagen)

Hallo,

Ich habe mal eine Frage bzgl. der Interpretation romantischer Orgelmusik, weil ich mich da nicht so wahnsinnig toll auskenne.

Vor Jahren lernte ich mal die „Tonus-Peregrinus“-Sonate a-moll Nr. 4 op. 98 von Joseph Rheinberger (im alten Forum schon einmal mit dem Namen „Fugen-Sepp“ tituliert) im Rahmen der täglichen Orgelkonzerte im Passauer Dom kennen und schätzen, wo DKM Merkl die Orgelanlage trefflich mit diesem Stück ziemlich weit „ausfuhr“.

Ich (C-Organist) habe dieses Stück selber einstudiert.

Nun befinden sich insgesamt drei CD-Aufnahmen dieses Stückes in meinem Besitz: Rudolf Innig in Schramberg (MDG), Ludwig Ruckdeschel im Passauer Dom und Wolfgang Rübsam (Naxos-Gesamteinspielung) im Fuldaer Dom.

Die letztgenannte gefällt mir mit Abstand am schlechtesten, gerade was den ersten Satz betrifft. Herr Rübsam spielt irgendwie mit überaus viel Agogik, teilweise steht das Stück regelrecht auf der Stelle, andere Passagen ziehen sich wie Kaugummi, über andere huscht er ziemlich weg. Dazu noch die sagen wir mal „farbige“ Registrierung an der teilweise ziemlich brutalen Orgel in Fulda, wo die in jedem Teilwerk vorhandenen Trompeten, 16‘-Zungen und Mixturen eigentlich fast immer mitklingen.

Wie spielt man Rheinberger „richtig“ (ich weiß, dass die Frage doof klingt)? Ruckdeschel und Innig spielen dieses Stück relativ „straight forward“, aber nicht emotionslos. Das gefällt mir wesentlich besser. Gibt es da verschiedene Interpretationsansätze?

Ganz abgesehen davon, dass ich die klangliche Gestaltung in Passau und Schramberg als wesentlich besser zu dem Stück passend empfinde. In „Zur deutschen Orgelmusik des 19. Jahrhunderts“ von Busch steht drin, dass Rheinberger bei einer 18-Register-Disposition bereits 6 obertönige Register wie Quintadena (sic! Wirklich ein wahrer „Schreier“!), Mixtur etc. als unpassend empfand und an anderer Stelle meinte, erst eine HW-Trompete 8‘ disponieren zu müssen, wenn diese durch einen Prinzipal 16‘-Klang abgedeckt ist! Was für mich natürlich nicht bedeuten soll, dass man an einer Großorgel Rheinberger nur auf den 8‘- und 4‘-Labialen spielen "darf". Oder seht ihr das anders?

Viele Grüße
Martin


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