Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern

FranzS. @, Donnerstag, 01. September 2011, 19:55 (vor 5484 Tagen) @ SKB

die (geplante) Zukunft des Instruments ist hier nachzulesen:
Bericht des OSV


... schwierige Sache - im schönen Neuenburg am Rhein (so ziemlich südlichste Ecke Deutschlands, im Dreiländereck, in hervorragender Wein- und Spargelgegend gelegen), bei meinem Chor, tue ich ab und an Dienst an einer 1953 von Orgelbau Mönch, Überlingen, erbauten Orgel. Neuenburg war die erste Stadt, die im Krieg von den Franzosen praktisch völlig zerschossen wurde - dementsprechend schnell und möglichst günstig musste nach dem Krieg Kirche samt Orgel gebaut werden, was für die Orgel (in einem, finde ich, sehr schönen Sakralbau mit fantastischer Akustik stehend) bedeutet, dass in Massen Sperrholz, Pfeifen in eher günstiger Legierung, ein Spieltisch in billig-Haptik mit funktionslosem Schwelltritt, eine "interessante", aber nicht wirklich in sich schlüssige Disposition auf der Empore vorzufinden sind. Die im Prospekt stehenden tiefsten Prinzipalbasspfeifen sind, einem Korb Spargel gleich, eher nicht ganz so regelmäßig gerade gewachsen - einige sind unten eingeknickt, andere weisen oben eine von der Vertikale abweichende Richtung auf, die freien Kombinationen funktionieren immer mal wieder nicht, der Manual-16' (als Transmission im Pedal spielbar) tut meist nur ab dem fis'... insgesamt, so der OSV verständlicherweise, ein Fall für den Sondermüll und einen kompletten Neubau.
Wenn man am Instrument sitzt, hat man auch einiges zu tun, bis man "schöne" Klänge gefunden hat - das zweite Manual (mit extrem hochliegender Terzzimbel) hat es da besonders in sich. Wenn man dann aber mit dem Instrument warm wurde und etwa eine Gemeinde zu begleiten hat, ist man glücklich; bei aller Windstößigkeit, die die Orgel nun einmal hat (wie gesagt, ein Fall für den Sondermüll) kann man die (ungeschulte) Gemeinde damit führen, dass es eine Freude ist; die Orgel ist weder zu laut noch zu leise, bietet dem Gemeindegesang ein wunderbares, an neuen Orgeln selten zu findendes Bett, auf das er sich legen kann, ist bei aller Beschränktheit durch die seltsame Disposition sehr, sehr abwechslungsreich... so hat sie etwa ein Plenum, das man in dieser Wärme und gleichzeitig Brillanz an kaum einer modernen Orgel findet. Der elektrische Spieltisch lässt sich ungemein angenehm spielen - es ist eine Freude, darauf zu improvisieren und irgendwie hat man sehr, sehr schnell ein "kathedraleskes" Spielgefühl, so fantastisch ist das Instrument intoniert.
Insgesamt also eine Orgel, deren Qualitäten von einen Neubau praktisch nicht zu erreichen sind.
Was ist zu tun?
Viele Grüße

passt!


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