(Rohr-)Flöte und Gedackt
bei kleineren zweimanualigen Orgeln (bis so ca. 25 Register) der letzten, teilweise recht grundtonarmen 50 Jahre findet man oft neben dem HW 8'-Prinzipal an 8'-Labialen nur
- im HW eine Rohr-/Koppel-/Hohl-Flöte 8' und
- im Positiv einen (Holz-)Gedackt 8' (dieses Werk basiert dann auf Przp. 4' oder 2')Da ich mittlerweile an einer Orgel übe, wo es genau andersrum ist (HW Holzgedackt, BW Rohrflöte, da gibt es allerdings auch noch eine recht dezente Spitzgambe), frage ich mich, warum man die erste Variante so oft baut und welche Vorteile die zweite Variante evtl. hat ...
Das kommt auf Charakter und Aufgaben der übrigen Werke an. In manchem HW versteckt sich z. B. ein Brustwerk, das sonst keinen Platz hätte (z. B. hier); da sind dann die etwas kräftigeren weiten Achtfüße anderswo unterwegs. Was müssen die weiten Acht- und Vierfüßer des HW begleiten können? Müssen sie auch Soloregistrierungen grundieren? Verbreitet ist das Über-Kreuz-Disponieren der 8'- und 4'- Flöten: Auf der einen Lade stehen dann z. B. eine breite und dunkle Rohrflöte und eine bescheidene Spitzflöte, auf der anderen ein schmales Gedackt und eine schön runde Blockflöte. Welches der beiden Werke HW und welches Nebenwerk ist, ist dann eine andere Frage -- auch wenn die Regel ist, dass das kräftigere 8'-Register im HW steht, schon aus Platzgründen.
Hier war mal davon die Rede, das eine Flöte den Prinzipalklang in bestimmten Fällen "verbreitern" kann. Kann dies ein Gedackt nicht leisten?
Das kommt in erster Linie auf das allgemeine Klangkonzept an, in zweiter auf Mensur und Intonation. Wenn man eine Orgel wünscht, in der die Achtfüßer sich gegenseitig stützen mit dem Ziel eines breiten Klangs -- z. B. indem man neben ein nicht zu lautes 8'-Prinzipal ein weites Gedackt oder eine changierende Flûte harmonique stellt --, dann wird man auch den Rest der Orgel eher im sinfonischen Stil anlegen. Wenn aber die Orgel mehr auf kammermusikalisches Spiel hin angelegt sein soll, dann lässt sich mehr Individualität in die Einzelstimmen hineinlegen, meist um den Preis eines weniger verschmelzungsfähigen Ensembleklangs; ein Generaltutti hat in solchen Orgeln aber meist ohnehin keinen Sinn.
Die besten Orgeln sind natürlich die, die beidem gerecht werden -- aber da braucht man schon günstige Raumverhältnisse und einen ausgefuchsten Intonateur.
Gruß,
Friedrich
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- (Rohr-)Flöte und Gedackt - Martin78, 12.05.2011, 12:35
- (Rohr-)Flöte und Gedackt - Orlos, 12.05.2011, 13:13
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