(Rohr-)Flöte und Gedackt

Orlos, Donnerstag, 12. Mai 2011, 13:13 (vor 5595 Tagen) @ Martin78

Wir haben hier eine Orgel, deren Praestant 8' zwar laut ist, aber wenig Substanz hat. Dazu gesellt sich ein sehr weites Holzgedackt, welches erst dem Praestant die nötige Fülle gibt. Alleine kann man den Praestant sehr schön für polyphone Musik nehmen. Als Basis für höhere Register taugt er aber alleine nicht. Diesen Effekt würde man in dieser Intensität mit einer Rohrflöte wahrscheinlich nicht hinbekommen. (Man schalte bei einer 60er/70er-Jahre-Orgel einmal den Subbass ab, wenn es auch einen sogenannten Principalbass 16' gibt, das Pedal wird oft spürbar dünner).
Andererseits ist das hölzerne Vollgedackt im Obertonaufbau "neutraler" als eine Rohrflöte, meines Erachtens mischt es sich deshalb besser mit Aliquotregistern, weshalb es im Nebenwerk gut aufgehoben ist, wo sich meistens entsprechende Register befinden.
Je nach Mensurierung und Intonation ist der Unterschied zwischen Gedackt und Rohrflöte gar nicht so groß; die französischen Orgelbauer bauten am liebsten Rohrgedackte aus Metall, die einer weiten Rohrflöte durchaus ähnlich klingen können. Allerdings gibt es aus der Nachkriegszeit auch unglaublich substanzlose Rohrflöten, die zwar viel Farbe, aber kaum Grundton aufweisen.
Also eigentlich wie immer: pauschale Antworten sind schwierig.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum