+ Orgelkonzerte Ottobeuren +

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Montag, 31. Dezember 2012, 11:44 (vor 5053 Tagen) @ Tabernakelwanze
bearbeitet von Hausorgler, Montag, 31. Dezember 2012, 11:52

Ich glaube, daß es für Aussenstehende ziemlich egal ist, aus welchen Motiven heraus da ein Konflikt entsteht. Die wahren Motive wissen vielleicht nur die "Kontrahenten" - wenn sie sich dessen wirklich bewußt sind, was ja bei Streitereien auch nicht immer sicher ist.
Für mich als Besucher des Konzertes kommt es nur auf die Inhalte an, sprich: was wird in einer Kirche aufgeführt und was geht eben nicht. Das kann man durchaus diskutieren. Und ich glaube schon, daß man gut daran tut, eine Kirche nicht für alles zu öffnen und sie zur lokalen Liederhalle zu transformieren. Andererseits sind "Konzert" und "Liturgie" nicht so vollständig trennbare Bereiche. Ein Hochamt am Stephanstag im Wiener Stephansdom ist auch ein grandioses Konzert und ein anständiges Kirchenkonzert kann durchaus eine hohe spirituelle Dimension haben und dabei fast als eine Liturgie empfunden werden - auch ohne geistlich-verbales "Rahmenprogramm".
Es ist daher auch die Frage des "Wie": Vor einigen Jahren besuchte ich einen kleinen süddeutschen Dom. Man hatte für eine Aufführungsreihe der einzelnen Teile des Weihnachtsoratoriums im sowieso kleinen Altarraum ein Podest aus einer Stahlgerüstkonstruktion errichtet, damit der Chor schön gestaffelt stehen konnte. Dabei war der Altar so eng umbaut worden, daß man sich fragte, wie der Priester da noch Platz finden konnte. Selbst ohne aufgestellten Chor war der Altar massiv verdeckt und man spürte, daß er gerade offensichtlich das ganze "Unternehmen Musik" störte. Und auf der hier verlinkten Carmina-Burana-Aufführung in einer Kirche scheint der Altar ganz weggeräumt zu sein.
Ich habe auch schon gesehen, daß die den Altar umstehenden Chorsänger ihre Mäntel auf demselben ablegen.
Solche Dinge gehen nach meinem Geschmack gar nicht, selbst wenn die tollste Messe aufgeführt wird. Denn dann signalisiert man die Beliebigkeit der sakralen Bedeutung des Raumes und damit die Beliebigkeit des Sakralen insgesamt. Da sind die Veranstalter dann selber respektlos. Aber Konzerte in einer Kirche völlig zu stornieren, wäre Unfug und man würde sich einer wichtigen Möglichkeit der völlig unaufdringlichen Verkündigung berauben.
Wenn aber alles, sowohl inhaltlich als auch formal, anständig gemacht ist, kann es von mir aus selbst aus den ärgsten Motiven und Streitereien heraus entstanden sein. Das ist dann aber nicht das Problem der Besucher, die durchaus hohen ästhetischen und spirituellen Gewinn mit nach Hause nehmen können, sondern lediglich das Problem, der direkt Involvierten.
Man kann es auch ganz klassisch katholisch formulieren: Das opus operatum ist wichtig, nicht das opus operandis, denn die operandes sind ja häufig ein wenig "hinfällig" in ihrem Tun. ;-)


gesamter Thread:

 

powered by my little forum