Großorgeln aus den 1950er Jahren
Hallo,
ich nehme mal an, du meinst Orgeln, die im weitesten Sinne der "romantischen" Bauart zuzuordnen sind. Der von dir erwähnte "dezentere" Klang ist aber keine Erscheinung der 50er Jahre, sondern war schon vielfach früher verbreitet. Gute Beispiele sind die Firmen Nenninger-Mooser; München, Michael Weise; Plattling, Ludwig Edenhofer; Deggendorf, Willibald Siemann; Regensburg/München. Bei diesen Firmen gab es mit Ausnahme von Nenninger-Mooser einen Generationswechsel zwischen ca 1900 und 1915, bei dem auch das Klangideal verändert wurde. Die bis dahin gebauten kräftigen Principale weichen den Geigen- oder Flötenprincipalen. Sägende Gamben verschwinden ganz und die Äeoline löst das Salicional als leisesten Streicher ab. Mixturen werden oft nur noch als Streichermixturen gebaut, Trompeten werden zu Harmonietrompeten und Posaunen zu lieblichen Posaunen. Steinmeyer verzichtet auf die Posaune 16 und der Fugara 4 wird obligatorisch. Feinste Schattierungen werden wichtiger als Masse. Ich kenne viele Orgeln dieser Zeit und musste feststellen, dass zumindest im süddeutschen Raum 1915-1955 als eine Orgelepoche angesehen werden kann. Dann kamen die jungen Wilden wie Schmid oder von Glatter-Götz in Österreich, die diesem Treiben dann ein Ende setzen.
Grüße Franz
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