wanted: Alte LP von Edgar Krapp aus der Hedwigskathedrale

Friedrich @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 14:45 (vor 693 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 20. Oktober 2024, 15:16

Ich habe mir jetzt die YT-Digitalisierung der alten Edgar-Krapp-Platte mal angehört -- interessantes Erlebnis nach etwa vierzig Jahren!

Erstmal merke ich, wie das alles in meinem inneren Ohr sitzt, viele der Artikulationen, auch der kleine Streifton am Ende vom ersten Satz des Bach-Johann-Ernst-Concertos.

Und auch der Eindruck, dass die Orgel edler klingt als ihre Schwestern aus der gleichen Zeit, also Trier, Limburg und vor allem Ingolstadt. Die konnten im Mixturklang etwas Grobes an sich haben, das bleibt hier aus bis zum gekoppelten Plenum mit RP und HW. Typisch für die Zeit finde ich den Klang ohne Bauch. Selbst wenn am Ende der Bach-Passacaglia oder in der Con-fuoco-Variation von Mendelssohns Vaterunsersonate die Trompete 16' dazukommt, bleibt alles schlank im HW. Das kann auch der Kuppelakustik geschuldet sein, die womöglich viel Grundton schluckt, aber es passt auch ins Bild anderer Klaisinen der Zeit.

Krapps Spiel finde ich in der Rückschau viel besser und eindrucksvoller als damals, als ich es einfach hingenommen habe, dass einer eine vollkommen entspannte, virtuose Klaviertechnik mitbringt und damit auch spielt, dass das Pedalspiel konsequent durchartikuliert ist, dass die Tempi geradlinig sind und trotzdem ein feines, singendes Schwingen vermitteln.

Das ist schon alles sehr fein. Also sehr.

Manche Registrierungen fallen mir auch auf, zum Beispiel in der Passacaglia: Da behandelt Krapp das RP als leichtes Hauptwerk und vertraut ihm anfangs eine sehr große Partie an. Wenn dann in den bewegter-vollstimmigen Abschnitten das HW ins Spiel kommt, dann erkennt man das eher an den Mixturen als an Grundton-Power. Besonders fällt das auf in der Variation, in der das Thema im doppelten Kontrapunkt im Diskant erscheint. Da schmiert in der Mixtur unüberhörbar die 5 1/3'-Reihe hinein und lässt eine Phantom-16'-Linie aufscheinen (auch das saß tief im Teenager-Hörgedächtnis). Krapp scheint das nicht im Geringsten zu stören, und im anschließenden Plenum mit Posaune wird der Effekt vollkommen aufgefangen -- der Phantomeffekt scheint eher eine Spannung auf das Plenum hin zu erzeugen.

Ich bin gespannt, was sie jetzt mit diesem sehr typischen Sound machen und was die neu gestaltete Akustik damit anfängt. Vielleicht den neuen Prospekt dazu nutzen, mal ganz heimlich von Prinzipal und Oktave, Entschuldigung, ist ja Klais: Principal und Octave ein neues C und vielleicht auch Cis zu machen und den Rest dezent rücken?

Viele Grüße
Friedrich


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