Alu statt Blei?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 24. August 2024, 14:37 (vor 744 Tagen) @ Orgelwaldi

Wie bewegt oder verformt man das Aluminium bei der Klangeinstellung?

Das Biegen wäre noch das leichteste, aber wie schneiden? Fußloch einreiben? Auch Stimmhorn-Anwendungen werden nicht stattfinden können, weil das Material vermutlich leicht reißen würde.
Der gesamte Intonationsprozess, speziell vor Ort an der Baustelle, ist eine große Frage.
Aber es ist ja so, dass ein ernstzunehmender Orgelbauer von Anfang an Teil des Projekts ist. Auch ich selbst habe mit dem Werkstoffkundler viel über Pfeifenfertigung und Nacharbeit gesprochen, sofern er nicht schon das meiste vom OB erfahren hatte. Alle unsere Fragen sind längst gestellt und werden wohl Teil der Forschung sein.

Ich vergaß übrigens die Rostocker Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt zu erwähnen, die sind beim Projekt inzwischen dazugekommen.

Ich traf heute zufällig jemanden von der Maschinenbaufakultät und hab nach den Fördermechanismen gefragt und wie sich das so darstellt mit öffentlichem Druck. Ich hörte: Förderungen durch das Wirtschaftsministerium setzen voraus, dass im Antrag dargestellt wurde, dass mindestens ein Unternehmen im Bundesland von den Ergebnissen des Projekts profitieren könnte, so dass eine Amortisation für den Steuerzahler zumindest möglich wäre. Der Antrag muss diesen Eindruck erweckt haben.

Ich spinne jetzt mal rum (!):
Die Fertigung von Pfeifen aus Al-Legierungen wird künftig möglich, ist aber hochtechnisiert und erfordert mehr Maschinen als bisher, vermutlich auch Robotik. Im Idealfall gibt es ein universitätsnahes Startup, evtl. auch unter Beteiligung der lokalen bzw. am Forschungsprejekt beteiligten Orgelbauwerkstatt, und es beginnt tatsächlich eine Auftragsfertigung für Orgelbauwerkstätten von großen Pfeifen, inclusive Prospektpfeifen. Bei großen Pfeifen könnte man z. B. für Fußlochintonation bzw. Winddosierung schon externe Bauteile (Schieber, Schrauben) im Stock verwenden. Arbeiten am Aufschnitt und den Labien erfolgen ähnlich wie bisher, Parameter wie Kernspaltengröße und Kernposition müssen genauer als bisher vorbestimmt werden und rutschen von der Intonation in die Fertigungsphase.

Im Ergebnis entstehen Pfeifen, die sehr stabil, deutlich leichter und - für sich betrachtet - ungiftig sind.
Dazu wäre wohl vorauszusetzen, dass die EU den Druck auf die Bleiverwendung erhöht. Allein das Gesundheitsbewusstsein innerhalb der Werkstätten dürfte als Motivation für eine so große Umstellung kaum ausreichen. Auch vermute ich mal als Laie, dass die CO2-Bilanz einer Alupfeife deutlich schlechter ist.

Sollte man 32-Füsse der großen Oktav aufschneiden müssen, könnte eine Flex nötig werden... ;-) Das wiederum bringt Spanabsaugung in's Spiel, und die Schadstofffreiheit relativiert sich wieder etwas.

Vielleicht ist Teil des Forschungsprojekts, klangliche Parameter der Pfeifen noch besser vorherzusagen, umd die Fertigung noch besser auf das Endresultat anzupassen.

Alles, was ich hier eben in den Raum gestellt habe, ist forumstypisches Spekulieren (weil' Spaß macht) und nicht unterfüttert. Vielleicht ist alles auch ganz anders, und: Hoffentlich reden die Akteure künftig noch mit mir...


gesamter Thread:

 

powered by my little forum