Marienkirche Lübeck - gehört und gespielt (II)

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 27. Mai 2014, 12:58 (vor 4543 Tagen) @ stein

Vielen Dank für diese tolle Schilderung! Ergänzend musste ich mir nochmals diesen kleinen Filmausschnitt ansehen, der schon im alten Forum gepostet wurde und noch ein paar optische Eindrücke beisteuern kann.

https://www.youtube.com/watch?v=5lecMZDofRw


Hier kommt "Buxtehudes Orgel" aber sehr gut weg. Das Register Nachhall tut seines dazu bei. Jetzt fehlt noch eine schöne Doku-CD, wie in Dortmund Reinoldi und dann kann man die Diskussion auf eine weitere Option ausbauen.

Was sagt eigentlich Altorganist Stender dazu, war er auf dem Symposium, oder hat er die Waisheit sich seines dazu zu denken?

Aah, das isr jetzt ein schönes Souvenir für mich! Danke für den (nochmaligen) Link! Wirklich eine gute Ergänzung zur Diskussion hier.

Gut erkennbar selbst in der Daten-Kompression der "silberne" Glanz der Mixturen - wenn man es durch die rosa Brille betrachtet. Man könnte es auch eher "aluminisch" bis "stählern" nennen. Auf jeden Fall fehlt der Anschluss an den restlichen Klang.
Die Stimmungsarbeiten und der Gang ins Innere zeigen die schmalen Mensuren.
Auch gut zu hören am Ende der D-Dur-Fuge die spanische Batterie.
Gut zu erleben im Video auch die Synchronizität des Klanges der unterschiedlich hoch liegenden Werke. Also, das kommt schon relativ kompakt rüber, wenn man spielt, und insofern muss ich noch mal sagen, das Handling der Orgel ist völlig OK. Und Musik von ca. 1650 bis 1800 sowie "Deutsches" ab Orgelbewegung, sofern nicht halbgezogene Schleifen etc. verlangt werden. Viele Forianer wären sicher froh, das Ding als Dienstistrument zu haben. Und doch, wie schon gesagt, ist es an diesem Ort völlig berechtigt - und nach einer höflichen Rezeption des Instruments über vier Jahrzehnte auch legitim - ein "Mehr" an Orgelbaukunst zu verlangen.

Eine Sache wollte ich noch erwähnen:
In der Frage "Wann füllt eine Orgel einen Raum und wie fühlt sich dies an?" unterstelle ich mit wachsender Überzeugung, dass zu oft von Verhältnissen kleinerer Kirchen auf die ganz Großen geschlossen wird, was nicht immer günstig ist.
Und die Anwendung dieses Blicks ist ganz natürlich, gibt es doch nur wenig ganz große Kirchen, und nur ganz wenige von uns sind - sei es orgelbauend oder orgelspielend - regelmäßig in solchen Gebäuden unterwegs.

Ich weiß nicht, ob ich mir in Marien-Lübeck "mehr" Schall wünschen würde als die Kemper ihn erzeugt. Sicherlich anderen Schall, klar. Aber wenn z. B. eine weitere Orgel ein wenig mitliefe, so im grundtönigen Bereich, dann wäre rein mengenmäßig und in der Raumverteilung sicher ausreichend Orgelklang da. Philipp Klais hat im Zusammenhang mit Nürnberg St. Lorenz auf diesen Effekt hingewiesen und sich mir gegenüber mündlich oder sogar schriftlich in Bezug auf Rostock so geäußert.
Auch im Dom zu Erfurt hat Silvius v. Kessel das geschickt eingesetzt, obwohl dieser Dom akustisch ja nicht so extrem ist.
Gleiches passiert vielfach im Hamburger Michel, der allerdings noch mal eine Stufe einfacher im klanglichen Angriff ist.

Im verlinkten Video erleben wir EES auch als eigentlich sehr freundlichen Menschen, wie er vielfach geschildert wurde. Trotzdem scheint er die Zurückgezogenheit irgendwie bevorzugt zu haben, auch sein Schülerkreis an der MHL hat sich irgendwann aufgelöst.
Und wenn ich seine Biographie richtig kenne, hat er, aus der Schleswig-Holsteinischen Westküstenregion stammend, mit 22 in Lübeck A abgeschlossen und dann auch die Marienstelle angetreten. Eine intensive Prägung durch auswärtige Einflüsse scheint mir nicht vorhanden. Lübeck war schon früh das Zentrum seiner Welt, und für viele Lübecker war die Fa. Kemper auch der Mittelpunkt der Orgelbaukunst. Die Marcussen-Orgel im Dom war da der von Uwe Röhl einst nur mit größtem Einsatz zu navigierende erste Eisbrecher.
Obwohl ich hier als Live- und CD-Hörer von EES Manches an Kritik an ihm geübt habe, muss ich doch erneut den Respekt vor dieser Periode der Marien-Kirchenmusik ausdrücken. Sei sie stets in Ehren gehalten. Aber die nächste Periode wird auch gut, und sicher bunter - siehe, die Stunde kommt und ist schon jetzt... ;-)


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