Schnabeltasten, fehlendes cis, "Dieterich", war: Italienische Orgel für Norddeutsches ...

Wolfgang Gourgé @, Montag, 24. Februar 2014, 19:24 (vor 4631 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Montag, 24. Februar 2014, 22:28


Nein, gehört ich habe ich noch nichts von diesem Orgelbauer. Aber daß er penetrante Mixturen bauen kann, daß weiß ich jetzt.....

Hallo Wolfgang,

das muss so, sonst ist es doch nicht norddeutsch... Würde mich tatsächlich interessieren, ob Herr Carli tatsächlich in Norddeutschland war, der Text in den Erläuterungen liest sich ja so, als habe er die Mensuren aus einem Buch entnommen. Ich wage zu behaupten - wenn das tatsächlich so sein sollte - dass man so keinen stimmigen "Nachbau" zusammenbekommt...

Ich habe es vor allem deshalb gepostet, weil ich von der Gestaltung in mehrfacher Hinsicht ... "überrascht" ... war: Ich finde den Prospekt an und für sich nicht schlecht - also, im oberen Teil halt. Dass der untere Teil asymmetrisch angelegt ist und die Spielanlage nach links außen rückt, stört mein Empfinden schon ein wenig. Ich habe nichts gegen Asymmetrie, aber bei dem Obergehäuse stört sie mich unten. Zuerst dachte ich ja, es habe einen praktischen Hintergrund, nämlich dass sich hinter dem Gitter das Positiv verbergen könnte und man die Lade nicht hätte teilen wollen ... aber nein, diese Orgel hätte auch in unseren Quizz-Thread gepasst: Beide Manualwerke stehen auf gleicher Höhe nebeneinander, hinter den beiden linken Prospektfeldern das Positiv, das HW hinter den drei rechten. Das Obergehäuse kragt weit aus, weil die Orgel komplett vor einer Wand hängt, die Spielanlage dagegen ist vollständig unter die Orgel hineingerutscht. "Klangkontrolle" dürfte anderes gehen.

Bei diesem Prospekt habe ich halt erst einmal auch keine Schnitger-Kopie erwartet. Genausowenig wie das fehlende Cis in allen Werken und die Schnabeltasten im Pedal.

Alles in allem: Für mich ist diese Orgel insgesamt nicht wirklich in sich stimmig...

(Wie gesagt: Meine persönliche Meinung.)

LG
Jörg

P.S.: Wie immer wieder mal witzig, was google so übersetzt:
"Die Posaune 16' hat den Schlauch der ersten Oktave auf halber Höhe." Na dann...


....das fehlende Cis ist für mich bei solchen Instrumenten schlicht nicht nachvollziehbar, siehe etwa auch Worpswede. Was soll das? Was hat man musikalisch davon? Nichts, es ist sinnloser Purismus, und schon BWV 565 und 542 zeigen, daß das tiefe Cis schon damals nicht so ganz unüblich war.

Ich halte das für eine ebensolche vergängliche Modeerscheinung wie das nervtötende Dauer-forte kombiniert mit Dauer-non-legato mancher "Historiker", die unpraktischen Schnabeltasten im Pedal oder die seit dem Buxtehude-Jahr 2007 offenbar verbindliche Schreibweise von Buxtehudes Vornamen als "Dieterich" - gibt es eigentlich irgendjemanden, der "Heinerich" oder "Friederich" heißt? Mag ja sein, daß es auf Dänisch "Dieterik" heißt bzw. "Frederik", mag auch sein, daß Buxtehude sich selbst so schrieb. Aber die deutsche Schreibweise von "Dieterik" ist nunmal "Dietrich" und nicht "Dieterich".

Und Deine Einwände gegen den asymmetrischen Aufbau kann ich formal wie inhaltlich sehr gut nachvollziehen - genaugenommen ist das ein inkonsequentes Orgelkonzept, und ob die anscheinend ziemlich spitzen Mixturen das richtige für den wohl recht trockenen Raum sind, kann man auch bezweifeln (alles unter dem Vorbehalt, daß ein youtube-Clip keinen authentischen Klang vermitteln muß).

Gruß,
Wolfgang


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