Zu viele Tasten... :-P

Flûte harmonique, Dienstag, 26. Mai 2015, 20:41 (vor 4124 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Flûte harmonique, Dienstag, 26. Mai 2015, 20:52

Das vierte Manual hat in der (spät)romantischen Orgel doch meist die Funktion eines Solos, mit extrem lauten (Zungenbatterien, Tuben, HD-Register) oder leisen Stimmen (Fernwerk, Echo). In diesem Orgeltyp hat das entsprechende Manual durchaus seine künstlerische Funktion und ist auch als eigenes Manual notwendig. Es geht ja nicht nur um Literaturspiel sondern auch um liturgische Improvisation und (insb. im angloamerikanischen Bereich) um die Begleitung hervorragender Chöre.

Vier oder fünf Manuale können aber auch einer anderen Ästhetik folgen; siehe Saint-Gervais in Paris, die große Gabler-Orgel in Weingarten, St. Wenzel in Naumburg oder die großen Orgeln in St. Katharinen oder St. Jacobi in Hamburg.

Aus unser Zeit fällt mir die große Jann-Orgel von 1994 im Münchner Dom ein: dort wurden ja vier Teilwerke einander gegenübergestellt: I. Rückpositiv, II. Hauptwerk, III. Positiv, IV. Schwellwerk. Hinzu kommt die Trompeteria als "floating division" (denn ein 5. Manual war ausdrücklich nicht gewünscht) und die Chor- oder Andreasorgel, die von den drei oberen Manualen aus angespielt wird (II. Manual Hauptspieltisch = Hauptwerk Andreasorgel, III. Manual Hauptspieltisch = Oberwerk Andreasorgel, IV. Manual Hauptspieltisch = Brustwerk Andreasorgel).
Übrigens wurden die Oktavkoppeln in München noch zu Franz Lehrndorfers Zeit hinzugefügt, aber dem Vorbild des Passauer Doms folgend.

Was die Körperhaltung angeht: Hier im Forum wurde immer wieder die ergonomische Anlage und Größe der englischen und amerikanischen Spieltische gelobt. Vielleicht bauen wir hier einfach nur die Spieltische falsch? ;)

Nein, sicherlich nicht falsch, sondern nur einem anderen Standard folgend.
Einer der größten Unterschiede zwischen vielen deutschen (BDO-Norm) und amerikanischen Spieltischen (AGO Standard) ist der unterschiedliche Einschub der Pedalklaviatur, Pistons/Pedaltritte und Balanciertritte und die daraus resultierenden verschiedenen Abstände zwischen Klaviaturblock, Orgelbank und Pedalklaviatur.

In München sind alle vier Manuale bequem und ohne Anstrengung zu erreichen. In der Sint Laurenskerk in Rotterdam wird es dagegen schon auf dem dritten Manual nicht mehr ganz so angenehm. Das vierte Manual spielt sich dort aufgrund der Spielschrankmaße wie auf manch anderen Orgeln das fünfte Manual.

Gruß,
Martin


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