Schlager in der Kirche - Frankenschau vom 10.05.2026

Wolfgang Gourgé @, Montag, 11. Mai 2026, 21:09 (vor 107 Tagen) @ Matthias

Feuer frei!
https://www.ardmediathek.de/video/frankenschau/die-frankenschau-vom-10-05-2026/br/Y3JpZ...
Ab Minute 20:00.

....und wie man sieht: die Jugend....

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...stürmt das Gotteshaus!

Es wird vielleicht überraschen, wenn jetzt ausgerechnet von mir die Aussage kommt: so what, nicht weiter schlimm - soll er machen, wenn er damit Erfolg hat. Aber ich habe damit kein großes Problem.

Denn es gibt hier einen wesentlichen Unterschied zu Witten: der Mann will die Leute einfach emotional ansprechen, ganz ohne irgendeinen ideologischen Überbau oder Umerziehungsanspruch. Er sagt nicht "kein Stil ist besser als der andere" oder beruft sich auf irgendeinen Kirchenvater (mit Luther wären da katholischerseits die Möglichkeiten ja ohnehin eher beschränkt) oder konstruiert irgendwelche hanebüchenen pseudohistorischen Begründungen, sondern gibt sich ganz pragmatisch, indem er den Leuten Lieder anbietet, die sie kennen und alle mitsingen können ("nicht schön, aber laut" - Westernhagen). Hat man bei dem rheinischen Synodengottesdienst vor einigen Wochen irgendwelche mitsing-tauglichen Lieder gehört? Selbst wenn was "altes" kam, war es so krampfiger Akademiepop, dass der Gesang erwartbar unter der Wahrnehmungsschwelle blieb.

Für mich wären solche Gottesdienste die musikalische Hölle, seit ich Marianne Rosenberg in meiner Zeit an der Speyerer Hochschule zwangsweise jeden Abend hören musste: im Keller des Referendar-Wohnheims gab es einen Partyraum mit einer Musikanlage, die im Pfälzer Wald die Bäume wackeln ließ. Sie wackelten sehr oft. Mir war das infantile Verhalten erwachsener Menschen immer ein wenig peinlich, ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich von alkoholisierten Kolleginnen zum Mitgrölen animieren zu lassen. Der DJ, mein Zimmer-Mitbewohner, war ein Kölner; da musste man schon froh sein, wenn keine Karnevalslieder kamen (Rap gab es damals glücklicherweise noch nicht - wenigstens das blieb einem erspart). Ich selbst hätte um diese Uhrzeit Muddy Waters, Eric Clapton, ZZTop, die Stones oder Frank Zappas "Bobby Brown" aufgelegt, aber mich hat niemand gefragt, und ohnehin habe ich Lautstärken, die nur noch schreiende Verständigung zulassen, noch nie gemocht. Ein weiterer Favorit meines Mitinsassen war übrigens Guildo Horn. - Um auf den Eingangssatz zurückzukommen: was dem einen die Hölle, ist dem anderen das Paradies.

Man muss den Leuten die Nischen lassen, in denen sie sich wohlfühlen.

Übrigens war die Musikanlage dann doch mal zuwas gut: im Laden des damaligen Speyerer KMD, der da tatsächlich einen Notenverlag betrieb und CDs verkaufte, erstand ich die legendäre DG-CD aus Sacre-Coeur u.a. mit Viernes "Messe solennelle" (mit den intonationsvolatilen Chören...) und Hakims großartiger "Tu es petra..."-Aufnahme. Da jener Kölner dann doch mal wissen wollte, was ich da eigentlich so höre, bot er mir eines Tages an, die CD mal im Partykeller außerhalb der allabendlichen "Events" laufen zu lassen. Während des Vierne-Kyries - Pfälzerwald-wackelnd aufregistriert - ging die Tür auf, ein Referendar-Kollege schaute herein: der Gesichtsausdruck war unbezahlbar....(er hatte wohl eine Art schwarze Messe vermutet...).....


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