Anschnallen: Was sich Theologinnen wünschen

Wolfgang Gourgé @, Montag, 30. März 2026, 00:36 (vor 151 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ob das alles so richtig ist, was Frau W. geschrieben hat?
https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=26801256579467596&id=240884292598186&...


Nein, aber sie ist auch korrekturfähig - Antwort auf eine Richtigstellung zur Zahl der Erprobungsgemeinden u. a. - siehe hier:

"In der Sache gebe ich Ihnen teilweise recht, und das sage ich ohne Vorbehalt: Ja, das neue Gesangbuch bemüht sich, für möglichst viele Anknüpfungspunkte zu bieten. Darin liegt nur leider das Problem – nicht dessen Lösung. Ein Buch, das für jeden alles sein will, hört auf, für irgendjemanden etwas Bestimmtes zu sein.

...eben. Volltreffer.

Mein Einwand richtet sich nicht dagegen, dass traditionsreiche Choräle weiterhin vertreten sind – das wäre in der Tat ein Armutszeugnis anderer Größenordnung. Er richtet sich gegen die Verschiebung des Kanons als solche. Was aus dem analogen Bestand verschwindet, existiert für die Gemeinde liturgisch nicht mehr – unabhängig davon, ob es theoretisch irgendwo zugänglich bliebe.

...richtig. Niemand wird versuchen, online in der Kirche nach digital verfügbaren Alternativchorälen zu fahnden. Und was digital verfügbar ist, müsste erst ausgedruckt und verteilt werden - den Aufwand wird sich in Zeiten schwindender Mittel und schwindenden Personals niemand mehr machen. Man kann sich sogar darauf verlassen, dass das Prinzip Arbeitsvermeidung - wenn auch sachfremd - dann über die Auswahl der Lieder entscheidet. Die nicht mehr abgedruckten sind de facto "raus", das sieht Westenfelder völlig zutreffend.

Ich wurde im Rahmen der Recherchearbeit von einem Professor der Yale University kontaktiert. Seine Ausführungen waren für mich sehr erhellend. Er argumentiert sogar dafür, dass bestimmte Choräle abgedruckt sein können, die niemals gesungen werden. Das evangelische Gesangbuch ist kein Streaming-Algorithmus, der die meistgespielten Titel prominent platziert – es ist das Dokument eines gewachsenen Kanons. Diese Unterscheidung scheint im gegenwärtigen Prozess nicht hinreichend ernst genommen zu werden.

...und auch dieses Argument "zieht". Man stelle sich mal vor: eine Bibel, die sich auf den Abdruck der meistgelesenen Stellen beschränkt und den Rest "online verfügbar" macht. Man kann so viel Papier sparen. Nur spart man dann halt auch den Sinn der Bibel gleich mit ein. Oder man reduziert die 95 Thesen Luthers auf die meistgelesenen bzw. bekanntesten. Wie der Wüterich von Wittenberg darüber dächte, ist unschwer zu erraten.

Und leider ist es so, dass die Rückmeldungen, die ich erhalten habe, darauf hinweisen, dass man es den Testgemeinden eben nicht zutrauen kann, dass die Seniorinnen und Senioren bei der Rückmeldung angemessen berücksichtigt werden. Diese Nachrichten taten mir sehr leid, und in diesen Fällen – und das kurz vor Einsendeschluss – nur dazu raten zu können, eine Mail an die EKD zu schreiben, ist schade.

...die Rückmeldung der digital nicht-Affinen ist mit Umständlichkeiten verbunden, und da drängt sich durchaus der Verdacht auf, dass das mindestens wohlwollend in Kauf genommen, wenn nicht sogar angestrebt wird, ohne es offen auszusprechen. Es ist mit verbaler Mühe verbunden, seine Bedenken schriftlich zu artikulieren, nicht jeder ist darin geübt, nicht jeder möchte sich mit seinem/r Pfarrer/in anlegen, die zudem jede Menge Sabotagepotential in der Hand haben: gerade geht es leider nicht, vielleicht morgen nachmittag.... - der Flop ist vorprogrammiert. Zudem: welcher ältere, wenig internet-affine Kirchenbesucher, der vom neuen Entwurf nichts hält, wird sich dann schon im Pfarrbüro hinsetzen und seine Abneigung diktieren, womit er/sie sich outet?

Dass Sie persönlich dem neuen Gesangbuch mit Freude entgegensehen, ist schön. Ich hoffe, dass Sie sich diese Freude nicht nehmen lassen, denn das ist auf keinen Fall mein Absicht.
Mit herzlichen Grüßen,
Susanne Westenfelder"

Ich ziehe mich aber langsam aus der Sache raus, der - durchaus begründete - Diskurs wird mir zu anstrengend. Es wird mein drittes Gesangbuch im Dienst, die Gemeinde und ich werden auch mit diesem eine gute Zeit haben.

...haha, ein Gesangbuch-Veteran!


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