OT: Preise (war: WEISE-Mania! War er günstig?)

MichaelS ⌂, Dülmen, Dienstag, 15. Juli 2025, 16:01 (vor 417 Tagen) @ Friedrich

Das ist eine Zeit, von der ich glaube, sie wird einmal als eine Art goldenes Orgelbau-Zeitalter geschildert werden. Viele große, qualitätvolle und auch innovative Orgeln wurden gebaut, wichtige alte restauriert; gute Leute bildeten aus, gute kamen nach, die Kirchen hielten sich noch leidlich.

Über den Tellerrand geschaut: Das war die Zeit der Globalisierung und der deutschen Dominanz in der EU, die zu Regelungen führte, die für uns hierzulande sehr vorteilhaft waren. Wenn man den Orgelbau der Sechziger- und Siebzigerjahre damit vergleicht, muss man das bedenken. Damals war eine Truhenorgel von 20.000 Mark für eine großstädtische Gemeinde eine große Ausgabe.

Der Wohlstand ist in den Jahren seit 1990 unfassbar stark gestiegen, jedenfalls für Staaten, die zu den glücklichen Globalisierungsgewinnern gehörten. Orgeln wie im Münchner Dom, in der Basilika Trier, in der Leipziger Nikolaikirche sind Globalisierungskinder.

Schätzt
Friedrich

Die Zukunft ist in meinem Kopf in soweit angebrochen wie ich gerade auch "mein" jetzt 30-jähriges Instrument als aus "der großen Zeit des Orgelbaus" bezeichne, die ich ab ca. 1990 bis 2005/2008 einordnen würde, bei einigen Orgelbauern sicher schon um 1985.
Der Versorgungsorgelbau des Wiederaufbaus war gemacht, die Pneumatik-Beseitigungs-Welle lange überwunden, die Experimente mit komischen Materialien hatten sich als kurzlebig schon herausgestellt und die Denkmalorgeln soweit erforscht, dass man von Schnitger, Silbermann, Walcker und Kollegen das Beste zu einer modernen Orgel zusammenfassen konnte. Dazu war die Computertechnik angekommen, mit der man den idealen Ventilquerschnitt und den vorteilhaftesten Hebel im Wellenbrett berechnen konnte um leichtgängige, präzise und spielfreudige Trakturen zu bauen. Und nicht zuletzt waren und wurden Dogmen wie Kernstichlose Intonation und offener Fuß bei niedrigem Winddruck auch wieder ad acta gelegt.
Gepaart mit lebendigen Gemeinden, die noch ausreichen über Haushaltsmittel und Spendenfluss sowie Qualitätsbewusstsein verfügten um entweder die materialmüde Nachkriegsorgel zu ersetzen oder in manch Neubaukirche nach 20 oder 30 Jahren überhaupt eine richtige Orgel zu bekommen.

Wir sollten aufpassen, dass gerade diese Instrumente heute nicht vernachlässigt werden.

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"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
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