Studium

Oberpfeife1882, Krefeld, Dienstag, 18. März 2025, 16:43 (vor 540 Tagen) @ gedackt08

Ich versuche mal auf die Frage direkt zu antworten und nicht OT zu werden. Aber es wird aus biografischen Gründen etwas einseitig...

Zunächst einmal die grundsätzliche Situation zum Kimu-Studium in NRW/Niedersachsen:
Viele Hochschulen gibt es in Niedersachsen ja nicht, es dürfte nur Hannover sein. Im Bremen gibt es meines Wissens nur den "Arp-Schnitger-Master", der sehr speziell ist.
NRW hat mit Köln, Düsseldorf, Herford/Witten und Detmold ein paar Standorte mehr.
Als Hintergrundinformation: ich selbst habe in Detmold studiert und meinen Abschluss in den letzten 5 Jahren gemacht. Ein Schüler meinerseits hat dort im letzten Jahr sein Studium begonnen (und sich gegen Köln entschieden), daher war die Frage nach dem Studienort recht aktuell.
Für mich selbst waren Hannover, Düsseldorf und Detmold im Rennen. Hannover und Düsseldorf waren recht schnell raus, weil für mich eindeutig ersichtlich war, dass die Tiefe und das Niveau in Detmold auf einer höheren Ebene als bei den beiden anderen war.
Die Vorteile, die ich in Detmold erlebt habe:
Eine vernetzte Kirchenmusik, man wird mit allen anderen Studiengängen zusammengeworfen (in den Nebenfächern) und hat entsprechende Berührungspunkte und Möglichkeiten zu Kammermusik. Mit Prof. Nowak und Prof. Neumann (als würdiger(!) Sander-Nachfolger) ist der Bereich Orgel in beiden Bereichen gut aufgestellt. Orgelexkursionen gibt es auch in fast jedem Semester.
Prof. Anne Kohler in Chorleitung wird als beste Chorleiterin Deutschlands betitelt. Praktische Möglichkeiten gibt es im Dirigieren dort auch: der Hochschulchor wird von Dozenten betreut durch Studierende geleitet, daneben gibt es ein Vokalensemble aus DirigentInnen, wo anspruchsvollere Literatur erarbeitet wird. In der Regel gibt es pro Semester ein größeres oratorisches Werk mit Orchester, bei dem man Auszüge dirigieren muss. In den Hauptfächern wird man sehr gut ausgebildet, der künstlerische Kontext ist ebenfalls gut aufgestellt.

Was in Detmold eher hakt:
Die Alte Musik wird dort relativ stiefmütterlich gepflegt. Es gibt zwar die "Tage Alter Musik", aber im Vergleich zu Hamburg hängt Detmold in historischer Aufführungspraxis hinterher. Daneben stehen in der Hochschule nur 4 Übeorgeln zur Verfügung. Hl. Kreuz (m. E. eine ganz furchtbar langweilige Orgel) und das Konzerthaus sind nur selten zu Übezwecken nutzbar. In Stadt und Umland gibt es aber sonst noch genug Instrumente.
Daneben ist vielleicht zu sagen, dass Detmold ein wunderschönes Fleckchen Erde ist, aber das Fleckchen klein ist. Man sieht fast immer die gleichen Gesichter. Hat seinen Reiz, aber über einen Tapetenwechsel war ich nach dem Studium ganz froh.

Kurzum:
Auch wenn es um Detmold in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden ist, halte ich es nachwievor für einen Ort qualitativ hochwertiger Ausbildung und ich habe dort sehr gerne studiert und mich sehr wohlgefühlt. Aber es ist eben eine subjektive Meinung.
Wenn du zu Detmold mehr Infos möchtest, gerne per PN


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