Kantor + Gymnasiallehrer?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 18. März 2025, 13:08 (vor 540 Tagen) @ gedackt08

Studium: Betont wurde bereits die "Chemie" zwischen Hautpfachlehrer:in und Student:in. Ja, das ists schon wichtig. Ich habe z. B. meinen Hauptfachliehrer Orgel nicht gewechselt, einerseits fehlte mir der Mut, und der Wunschlehrer riet mir auch ab - rückblickend war eswohl gut so.
Der Wunschlehrer gab aber viele Seminare und natürtlich konnte man mit seiner Klasse Austausch halten, so war es möglich, "heimlich" ein wenig mitzustudieren.
Für meine spätere Improvisationsdidaktik hat der Wunschlehrer ohne es zu wissen viel beigetragen, der eigene Lehrer im Prinzipü nichts (außer der Erkenntnis, dass es eine Methodik geben sollte!). Umgeklehrt hätte ich unter dem Wunschlehrer wohl menschlich etwas gelitten (weil ich die Ansprüche maum erfüllt hätte), der eigene Lehrer war mir aber sehr verbunden und musikalisch dem Wunschlehrer ebenbürtig, nur halt mit weniger Power.

Ein wichtiger Punkt, wenn es nicht nur um Orgel geht (50/50 war hier angesagt):
Wie ist der Hochschul- bzw. Institutschor organisiert? Darf man mit ihm proben, wie ist es mit Prüfungsvorbereitung? Muss man sich den chor für ein Projekt mühsam zusammenschnorren und bei der Aufführung ist er erstmals vollzählig, oder ist es ein feststehender Klangkörper, den man minuten-, stunden- oder gar projektweise überantwortet bekommt? Dafür kann ein eigener Chor außerhelb der Hochschule anteilig ein Ersatz sein, aber der wird ja nicht mentoriert, also es ist ja kein überwachender und rückmeldender Lehrer anwesend. Hier spielt also auch hinein, was schon über die Größe des Hochschulortes gesagt wurde. In größeren Städten gibt es immer Betätigungsmäglichkeiten.
Weniger Bedeutung hat bei Vorhandensein guter Lehrer:innen die instrumentale Ausstattung. Denn so gesehen dürfte niemand, die/der in Wien vor 20, 30 Jahren und davor absolviert hat, irgendeine Bedeutung haben. Das Gegenteil ist der Fall. Die vielen von Radulescu ausgebildeten Professor:innen und DO beweisen dies.
Natürlich macht Orgelstudium in einer Stadt wie Lübeck auch deshalb Spaß, weil einige besondere Orgeln zur Verfügung stehen und schon die Unterrichtsintrumente sehr gut sind. Aber es ist nicht das Wesentliche.
Das unscheinbare Greifswalder KM-Institut macht z. B. jedes Jahr eine intensive Exkursion (so zumindest bis jetzt unter Prof. Schneider, der bald aufhört). Wer dort studiert, bekommt viel mehr an hochwertigen Instrumenten unter die Finger als ich in meiner Wiener Studienzeit, denn auch wenn man studentisch selbst versucht, andernorts oder im Ausland an gute Orgeln zu kommen, ist man da doch viel beschränkter als wenn die Anfrage von einem Hochschulinstitut mit gut vernetztem Dozenten kommt.

Noch ein Wort zum Lehrer-Job: Die hier geäußerten abschreckenden Beschreibungen sind einerseits zutreffend, glücklicherweise gibt es Ausnahmen. Aber es ist die Frage, ob am Berufsort der Wahl dann auch eine ansprechende, oft ja "alternative" Schule, zur Verfügung stünde.
Für beides, Schule und Kirche, gilt wohl, dass Teilzeitarbeit den jeweiligen Arbeitgeber dazu einlädt, mehr als den offiziellen Arbeitsanteil zu erhoffen oder gar einzufordern.


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