Notenhandel: „Eine Branche stirbt“

Friedrich @, Montag, 13. Januar 2025, 10:07 (vor 606 Tagen) @ 3rd_astronaut
bearbeitet von Friedrich, Montag, 13. Januar 2025, 11:22

Das App-Angebot von Henle ist natürlich der richtige Weg. Man hat es doch an der Musikindustrie gesehen, der erbitterte Kampf gegen die mp3-"Raubkopien" war plötzlich sinnlos, als es kundenfreundliche Angebote zum Download gab. Die Verlage sind hier noch ein Jahrzehnt hinterher ...

... aber sie holen auf, jedenfalls manche. Auf der chor.com in Hannover erzählten auf einem Podium Leute unter anderem von Carus und Helbling, dass das digitale Angebot inzwischen ganz normal dazugehöre. Es gibt Chöre, die nur noch vom Tablet singen -- wie der organisierte Chorgesang selber ein Mittelstandsphänomen, die Dinger sind ja doch noch recht teuer. Käufer von digitalen Ausgaben sind offenbar ebenso ehrlich, im Zweifelsfall ehrlicher als solche von Drucken -- heißt, wenn ein Chorsatz bestellt wird, ist die Zahl der bezahlten PDFfe näher an einer plausiblen Sänger:innenzahl als die von bestellten Drucken. Die PDFfe sind mit einem Rechtemanagement versehen.

Also eine ähnliche Entwicklung wie bei den Musikdateien: Die Leute sehen sich gern als ehrliche Menschen, und wenn es ein Angebot gibt, das ihnen das leicht macht, nehmen sie es auch wahr.

Ich weiß nicht, ob die Musikverlage ihre anspruchsvolle Kundschaft auf Dauer mit den bisherigen Strukturen bedienen können. Zum Beispiel, wenn man sieht, dass ein Laienorchester sein Programm auf Jahre hinaus rein mit IMSLP-Mitteln organisieren könnte; oder wenn die gesamte Bach-GA auf IMSLP erhältlich ist. Teils sicher nur als Primärquelle tauglich, teils aber auch für die Praxis, in schönem Stich. Viel Griepenkerl-Roitzsch gibt's da ja auch, und die hatten anerkanntermaßen eine bessere Quellenlage als die NBA, plus guten Stich.

Gibt es eigentlich schon das Angebot von Spieltischbauern, das Notenpult gleich mit digitalem Bildschirm oder digitalem Papier auszustatten? Das wäre doch nicht nur technisch, sondern auch aus Sicht der Verlage folgerichtig. Und so ein Display dürfte bei sechs- bis siebenstelligen Gesamtkosten weniger ins Gewicht fallen.

Viele Grüße
Friedrich

Ceterum censeo: Bei Amazon muss in Deutschland niemand einkaufen. Es gibt genug Angebote, die ebenso zuverlässig und schnell funktionieren, ohne dass die Bosse gegen Gewerkschaften agitieren oder die Haltung einer Zeitung unterdrücken, die ihnen zufällig gehört.


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