Was macht einen guten Orgelprospekt aus?

Friedrich @, Montag, 23. Januar 2012, 12:20 (vor 5345 Tagen) @ Hausorgler
bearbeitet von Friedrich, Montag, 23. Januar 2012, 12:57

Ich mag Symmetrie durchaus. Vor allem in achsensymmetrischen Räumen, wenn die Orgel eben in derselben Symmetrieachse steht. Die Orgel in St. Michaelis in Hildesheim gefällt mir jedoch ausnehmend gut. Eine achsensymmetrische Aufstellung war nicht möglich. Die gefundene Lösung überzeugt mich. Mit der Alpirsbacher Prospektgestaltung kann ich mich hingegen nicht so anfreunden.
Wohingegen mich diese Lösung durchaus anspricht: …
Es ist die Kirche St. Clemens in Hannover.

Das ist ein Prospektmodell, das Klais – wie etliche von Josef Schäfers schönen Entwürfen – so oder ähnlich mehrfach gebaut hat. Bei speziell dieser Ausführung fühle ich mich etwas stark beduftet von dem brutalen Schleierwerk. Da kommt mir Dumbledores Phoenix ein paarmal zu oft vorbeigeflogen

Diesem Prospekt - trotz Symmetrie- kann ich nichts abgewinnen: Zuviele kleine Pfeifenfelder: …
Es ist die Evangeliumskirche Hasenbergl in München. Man hat hier mit der Zahl 7 herumsymbolisiert und wollte also 7 Pfeifentürme. Allerdings finde ich 3 Pfeifen pro Feld einfach zu wenig.

Den finde ich gar nicht so uneben und würde ihn gerne mal im Raumzusammenhang sehen. Eigentlich hat er genug strenge Geraden, die die schmalen Felder bündeln, und die Serialität der Pfeifenfelder schafft zusätzlich Einheit. Das ist Schmid, oder?

In meinen Augen die besten Prospektgestalter des letzten Jahrhunderts waren Poul-Gerhard Andersen, Sybrand Zachariassen, Josef Schäfer und Jakob Schmidt.

Sie haben es immer wieder geschafft, Großes und Kleines, Architektur und Ausstattungsstück, Symmetrie und Asymmetrie, Orgelbauliches und Architektur so auszubalancieren, dass etwas Unerwartetes und gleichzeitig vollkommen Überzeugendes dabei herauskam. Ihre Entwürfe bieten einen Maßstab, neben dem viel Neueres recht schön seine Mittelmäßigkeit offenbart.

Einer meiner Lieblingsprospekte ist, wie ihr inzwischen sicher alle wisst, natürlich dieser hier. Pfeifenfelder unter anderem mit je zwei oder auch nur einer Pfeife, offenbar gemachte Scheinsymmetrie der diatonisch aufgestellten Pfeifen, und trotzdem eine große, ruhige Einheit. Noch immer grandios.

Gruß,
Friedrich


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