Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 31. Dezember 2011, 16:57 (vor 5369 Tagen) @ chp

Stimmt. Und da sieht man einerseits das Erbe der sogenannten "liturgischen Bewegung", welche eigentlich nur im deutschsprachigen Raum ihre Wirkung entfaltete (Klosterneuburg, Maria Laach usw.) und andererseits der sicher nicht unbeträchtliche Einfluß der evangelischen Praxis. Hinsichtlich Orgel waren die evangelischen Kirchen ja immer die Trendsetter weil der evangelische Gottesdienst immer schon auf dem Gemeindegesang basierte, welcher natürlich durch ein entsprechend kräftiges Instrument geführt werden musste. Wohingegen der kathol. liturgische Gesang eigentlich der unbegleitete gregor. Choral war, welcher von einer Schola vorgetragen wurde. Musikalisch große Gottesdienste wurden dann mit Chor und Orchester gestaltet. Bis heute spielt in den meisten Orchestermessen zu den Feiertagen die Orgel keine besondere Rolle. Gemeindegesang mit Orgel im kathol. Gottesdienst ist eine eher junge Kulturform und in romanischen Ländern ohne evangelische Vorbilder dementsprechend unterentwickelt. Man kann dies übrigens auch im Orgelbau sehen: Katholische Großorgeln als Standardausstattung tauchen erst relativ spät auf. Die süddeutschen Großorgeln in den barocken Abteien waren hauptsächlich Prestigeobjekte. Häufig spielte man damit eher Ein- und Auszüge, Elevationen usw. Aber man begleitete kaum Gesang. Wenn keine Orchestermesse stattfand, sangen die Mönche Choral - und der wurde von den kleineren Chororgeln gestützt.
Wer einmal in Weingarten die Gablerin bei vollem Haus gehört hat, weiß, was ich meine: Das Instrument ist für eine volle Kirche, in der alle aus vollem Halse zB "Großer Gott wir loben Dich singen" eindeutig zu schwach. Denn dafür war sie nie konzipiert.


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