Orgel-Verriss

Orlos, Donnerstag, 17. November 2011, 23:44 (vor 5409 Tagen) @ KarlM

Organisten sind Dispositions-"hörig" und das schon immer, wenn man zum Beispiel Registrierungshinweise von Johann Mattheson (1681-1764) liest. Dabei sind die Namen doch wirklich oft viel zu unbestimmt. Ob eine Disposition "funktioniert", lässt sich tatsächlich nur vor Ort entscheiden und hängt natürlich auch vom Benutzer ab, welche Musik/Interpretation nämlich funktionieren soll.
Übrigens habe ich auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Eine Disposition, die extrem interessant aussah und phantastische Möglichkeiten versprach, wobei sich das Instrument dann als ziemlich öde und völlig uninspirierend herausstellte. Da "funktionierte" kaum etwas, obwohl die Namen das Tollste erwarten ließen.
Vor einiger Zeit sollte ich das Einweihungskonzert einer "restaurierten" Orgel spielen, welche kurz vor 1900 erbaut worden war. Ich kannte die Orgel vor den Arbeiten, ahnte aber bereits, dass sie jetzt vielleicht anders klingen könnte und hatte vorsorglich nicht nur romantische Orgelmusik in die Tasche gesteckt. Tatsächlich klingt die Orgel nun ziemlich neobarock, was an den neuen Pfeifen und der völlig neuen Intonation der alten Pfeifen liegt. Schade. Es zeigt sich daran: Dispositionen sind nur ein entfernter Anhaltspunkt und es ist erschreckend, was man beispielsweise aus einer "Gambe" alles machen kann!

Andererseits darf ich trotzdem feststellen, dass einem schon beim Lesen einer Disposition Dinge auffallen, die merkwürdig sind. Wenn eine 20-Register-Orgel eine 2'-Zunge im Pedal aufweist, frage ich mich schon, ob es da nicht andere Register gibt, die häufiger einsetzbar sind. Und im Schwellwerk einer neuen Orgel zwar einen Quintatön, jedoch keinen echten Streicher vorzusehen, darf bei mir ein Stirnrunzeln verursachen. Auch wenn dieser Quintatön dann vielleicht wunderschön tönt...


gesamter Thread:

 

powered by my little forum