"okey" Nr. 103

Florian-L, Dienstag, 15. November 2011, 16:27 (vor 5416 Tagen) @ Florian-L

Nachdem ich den Artikel genauer gelesen habe, hier ein paar Details (Zitate kursiv):

Gewünscht war eine mobile Digitalorgel,...die neben den bereits in der Grazer Universität verfügbaren Pfeifenorgeln klanglich bestehen, darüber hinaus aber mit einer umfangreichen Spezifikation und Disposition neue Möglichkeiten bei der Interpretation und Aufführung von Orgelliteratur aus allen musikalischen Gattungen eröffnen soll. Dabei sollte nach Prof. Rosts Vorstellung sich eine so konzipierte Digitalorgel nicht etwa auf die Imitation oder das bloße Kopieren von vorhandenen Pfeifenorgeln beschränken, sondern die Vorteile und Möglichkeiten der heute verfügbaren digitalen Technologien möglichst umfassend und souverän ausspielen. Und schließlich muss diese neue Orgel auch außerhalb des universitären Lehrbetriebes einsetzbar sein - also mobil ausgelegt sein.

Als Basismodell dient eine Rodgers "Masterpiece Signature" (MS-376).
Ein massiver Umbau des Spieltisches machte es möglich, das Spieltischoberteil...sowohl in der Höhe als auch in der horizontalen Position stufenlos zu verstellen, um allen Studenten und OrganistInnen des Instituts eine ergonomisch optimale Spielposition zu bieten.

Zur Abstrahlungsanlage: Sie ist 22-kanalig. Für die sechzehn 3-Wege Full-Range Boxen wurden vier mobile Lautsprechersäulen konstruiert, die sich bis zu einer Gesamthöhe von 5,20 Metern stufenlos ausfahren lassen und an denen jeweils 4 Lautsprecher in Position und Neigung flexibel aufgehängt werden können...Vier verschiedene über Pistons direkt wählbare, programmierbare Audiokonfigurationen ermöglichen es, völlig unterschiedliche 'Klangabstrahlungen' aufzurufen. Jede Konfiguration umfasst die Zuordnung von Registern und Werken zu bestimmten Lautsprecherpaaren (alle Registersamples werden Ton für Ton stereophon wiedergegeben, die Lautstärkeregelung sowie ein Equalizer für jedes Werk, die quadrofonische Raumsimulation u.v.m. Nicht weniger als vier Subwoofer, zwei davon sind 'Doppel-18,,-Woofer', sorgen für die druckvolle aber unaufdringliche und nicht 'dröhnende' Widergabe selbst tiefster Frequenzen.

Und schließlich mussten auch insgesamt 30 fahrbare Flightcases gebaut werden, um die gesamte Orgelanlage sicher verpacken und schonend transportieren zu können.

Zur Disposition: 92 Haupt- und 178 Alternativregister...insgesamt 270 klingende Register, aus denen sich nahezu beliebige Dispositionen aus allen Orgelbautraditionen und -Stilen aufbauen und speichern lassen.
Über die Setzeranlage können barocke, französisch-romantische oder symphonische Registerkombinationen angewählt werden, d. h. es sind immer alle "Register", darunter auch "Gravissima 64'", sofort verfügbar ohne zusätzliche Ladezeiten.

Über MIDI können weitere Klangerzeuger angesteuert werden. Ein Rodgers MX-200 Orgel-/Orchester-Expander mit über 1.150 Klängen ergänzt und erweitert hier die Spezifikation der 'Grazer Orgel'. Weiters ist noch ein "MIDI Recorder/Player" vorhanden, und alle persönlichen Daten wie z.B. Setzerdateien, Installations- und Intonationsdaten können ...auf USB Stick gespeichert werden.

Für die Hebe-/Schiebevorrichtung...wurden vier hydraulische, miteinander synchronisierte Hubsäulen in das Spieltischunterteil eingebaut, die das Oberteil auf Knopfdruck stabil und sicher anheben...Nach diesem Produktionsschritt musste der Spieltisch schließlich komplett neu verkabelt werden, zumal für den kompletten 'digitalen Käfig' der Orgel und das raumgreifende zentrale Netzteil...nach dem Einbau der Hub-/Schiebemechanik neue Einbaupositionen im Unterteil zu finden waren.

Zur Intonation und für das 'klangliche Finish' aller 270 Register reiste...Dr. Robert Tall...eigens aus Los Angeles an und verbrachte zwei Tage mit der klanglichen Vollendung dieses Meisterstücks. Am 29. September 2011 wurde die fertig gestellte Installation schließlich von der Universität geprüft und abgenommen - und damit offiziell übergeben.

Man kann die Rodgers MS-376 plan- und bestimmungsgemäß in Zukunft auch an den unterschiedlichsten Aufstellungs- und Aufführungsorten einsetzen - überall dort wo ein wahrhaft großes und großartiges Instrument benötigt wird, aber nicht vorhanden ist. Es braucht keine prophetische Gabe, um voraussehen zu können, dass von dieser einzigartigen Orgel in Zukunft noch viel 'zu hören sein wird'...

Quelle: Dieter Schuster, Claus Riepe, Vorbildlich installiert, Rodgers Masterpiece Signature an der Universität Graz. In: "Orgel heute", S. XIV – XV, Beilage zu "okey" Nr. 103, November/Dezember 2011.


Gruß, Florian

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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-


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