Orgelweihe Speyer

Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 26. September 2011, 09:49 (vor 5460 Tagen) @ Antilope

Ja, so ungefähr wäre die Situation hier in Rostock St. Marien, wenn man den historischen (mechanischen) Spieltischplatz wieder in Betrieb nähme.
Aber das, was ich mit Artikulation etc. meinte, hat mit der Abhörsituation nichts zu tun. Diese würde eher in Klangfarben- und Werkbalance-Fragen hineinspielen.
Genauso wie eine Christmette sind Orgelweihen Ausnahmesituationen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man einmal mehr erkennt, dass diese Räume nicht dafür gemacht wurden, von einem Punkt aus - egal wo - relativ gleichmässig beschallt zu werden.
Wenn dann die Konzertbesucher einfach wissen, dass sie in der Nähe bleiben müssen, kann man sicher auch wieder "konventionell" interpretieren - und ob es im Chorraum dann nur mehr matscht, ist egal. Und für die Christmette verzichtet man eben auf Musik mit raschen Harmoniewechseln.
Jean-Claude Zehnder erzählte mal von einer Orgelweihe in Italien, zu der er (als Hörer) zu spät kam: Er erlebte im Eingangsbereich nur "Wolken", was ihm aber spontan schlüssig erschien, denn es wurde eine alte ital. Toccata gespielt, und wir kennen ja dieses zelebrierte Ausfransen eines Akkordes aus den Noten, wo die einzelnen Sechzehntel der einen "virtuosen" Stimme keine besondere Bedeutung haben, außer dem Akkord eine Art Rauschen zu verleihen.
Derartige Literatur - z. B. die gewisse Widor-Toccata, deren Einzeltöne auch nicht unbedingt als solche wahrgenommen werden müssen - wird in Speyer auch für großes Publikum funktionieren. Regers "Wachet auf" dürfte schon nach dem ersten Forte der Einleitung eher zur Karikatur werden, da das Diminuendo vom Nachhall des Fortes überdeckt werden wird.
Spannende Aufgaben für alle SpielerInnen.

Im aktuellen AO steht ja noch einmal die Dispo, und ich muss wirklich sagen, dass ich diese vom Papier her für sehr klug halte.


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