Stockmeier spielt Bach

FranzS. @, Mittwoch, 21. September 2011, 07:37 (vor 5465 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
bearbeitet von FranzS., Montag, 04. Juni 2012, 20:34

Also ich oute mich auch mal als jemand, der diese Einspielung und auch die Orgeln schätzt. Besonders die schon angesprochenen Triosonaten finde ich einfach schön gemacht und klanglich um einiges passender als die inflationären Einspielungen im Elsass auf ebenso "unpassendem" Orgeltyp.

Richtig, doch gerade heute werden die Triosonaten vernachlässigt. Aber ich wage einmal eine gewagte These; wenn jemand, der zum ersten mal in ein Orgelkonzert geht, eine frische und spielfreudige Interpretation (eben wie Stockmeier das macht) einer Bachschen Triosonate hört, kommt er garantiert wieder. Gerade die teuflische (und auch teuflisch schwere) d-moll Sonate mit dem gewaltigen dritten Satz!

Auch bei den Chorlabearbeitungen gibts bei Stockmeier sehr schöne Momente, die freien Werke begeistern mich nicht wirklich alle durchweg,

stimmt

aber das ist wohl normal. Ich glaube es existiert keine Bach-Gesamteinspielung wo man für sich wirklich als alles 100%ig gelungen bezeichnen kann.

möglicherweise sind die frühen großen Werke (wie eben das a-moll) etwas zu kontrolliert. Fantasie und Fuge gmoll und das große h-moll dagegen gefallen mir besonders gut. Ich mag die kammermusikalische Atmosphäre bei den "Großen" aus Peters Nr. 2 sehr gerne und auch bei einer Aufführung würde eine solche Registrierung dem Hörer entgegenkommen, aber dank der H-Mafia wir wissen doch alle, dass Bach immer nur im Plenum gespielt hat (mit heiserer Simme und leichter Marlon Brando Manier: "Ich habe gehört, du hast Bach nicht im Plenum gespielt, eh?, das macht mich sehr traurig und immer wenn ich traurig bin, werde ich wütend. Luigi, sag ihm was passiert wenn ich wütend bin....")

Deshalb picke ich mir auch aus diversen Einspielungen eben meine Favoriten heraus und auch da ändert sich ja im Laufe der Zeit bei einem regelmäßig die Einschätzung.

Ich habe mir auch die günstige Einspielung von Fagius geholt. In Anbetracht seiner fabelhaften Karg-Elert CD, wurden meine hohen Erwartungen leider nicht hundertprozentig erfüllt.

Ohne die "dekorative Hülle" und mit mehr verfügbarem Geld im 19./frühen 20. Jh. wäre die Orgel mit sicherheit heute nicht mehr da, weil klanglich schon immer vollkommen überbewertet.

Da kann man sich natürlich auch fragen, ob diese Orgel primär ein Musikinstrument sein sollte. Ich glaube, wir verstehen in diesem Fall den Geist des Rococo nicht mehr. Diese Orgel halte ich persönlich für ein Werk, das zeigen soll, welche Prospektgestaltung möglich ist, wenn man alle konstruktiven Mittel ausschöpft.

Wie gesagt für die entsprechende Musik, die ja auch eher auf vielfältige Einzelstimmen und differenzierte kleine Mischungen abzielt sicher nett, aber alles darüber hinaus ist für mich grenzwertig.

die Orgel überzeugt bei den Trios von Krebs.

Grüße
Franz


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