Warum Rohrflöten?

Friedrich @, Freitag, 02. September 2011, 15:55 (vor 5486 Tagen)
bearbeitet von Friedrich, Freitag, 02. September 2011, 16:02

Liebe Forenser,

FranzS scheint von Rohrflöten nicht eben verwöhnt worden zu sein. Ich für mein Teil würde sie vermissen – ich habe schon viele wunderbare gehört, und sehr unterschiedliche dazu. In meiner Ex-Lieblingsorgel im Freiburger Münster gab es eine dunkel-mächtige und warm verschmelzende im Hauptwerk und eine herrlich muntere im Rückpositiv. Unvergesslich: Stefan Johannes Bleicher spielt nur auf dieser 4'-Rohrflöte die Fuge zu BWV 564, ungeachtet des Pedaltrampelfaktors.

Ich mag an 8'-Rohrflöten die Mischung aus Dunkelheit und dem dezentem Farbtupfer, den das Röhrchen verleiht. Dieses Klingen auf zwei Ebenen gibt dem Klang eine Tiefe, die ein Gedackt allein einfach nicht hat. Zugleich hat man die Dezenz und Rundheit eines Gedackt und die Möglichkeit, die Ansprache mit unharmonischen Vorläufertönen zu würzen – nichts, was einem eine offene Flöte geben kann.

Beinahe legendär ist inzwischen die 4'-Rohrflöte im Rückpositiv der Hildebrandt-Orgel in Naumburg, die dem Vernehmen nach das wohl kratzbürstigste Exemplar der Gattung auf dem Planeten darstellt. So kann man's eben auch machen, die Dinger können gehörige Wildheit mitbringen, aber auch Süße oder das, was wer nochmal das "geheimnisvolle Flüstern der Rohrflöten" nannte? War das Klotz?

Und weil durch jüngste Ereignisse das Schreiben von Dissertationen ja auch nicht einfacher geworden ist: Da ist jene in Heftstärke von Hans Henny Jahnn, die allein diesem von ihm gleichsam verhalbgötterten Register gewidmet ist.

Sicher kann man Rohrflöten auch uninteressant intonieren und disponieren. In meinen Ohren liegt das dann aber nicht am Register. Eher ist es eine vertane Chance.

Gruß,
Friedrich


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