? was der Raum benötigt ?
Hallo,
ich kenne drei Orgeln, die im völligen Missverhältnis zum Raum stehen. Zum einen "des Pfarrer Striedls Orgel", dann die alte Schusterorgel von St. Michael in München, die teilweise in einer nicht gerade großen Dorfkirche aufgebaut wurde und die große Orgel der Zollingerhalle aus Heidelberg. Da stellt sich schon die Frage "Was verträgt der Raum?" die Antwort ist "Überraschend viel". Zugegeben, die Schusterorgel ist schon hart an der Grenze (D. Hausmann kann das bestätigen). Alle drei Orgeln sind als Kuriosum erhaltenswert, aber auch zum Teil auch nicht ganz ernstzunehmen, was auch an den Größenverhältnissen liegt. Auch mir geht es da ähnlich wie Karl-Josef und ich finde, dass es eine Grenze gibt, ab der eine Orgel einfach nicht mehr stimmig ist und man sich somit einen größeren Raum wünscht. Ich würde gerade die Heidelberger Orgel gerne in einem größeren Raum hören. Bei den Orgeln in den USA kommen auch noch die Gossenschen Gesetze dazu. Die verlinkte Orgel hat doch viele redundante Register die eigentlich mehr zur Unübersichtlichkeit führen, als einen zusätzlichen Nutzen stiften (ich gebe zu "Nutzen" in der Kunst nicht definieren zu können). Kurze Rede langer Sinn (ist Glatteis für die Eselin), bei 70- 90 Registern hat man doch alles was man braucht, jedenfalls bei einer zentral aufgestellten Orgel.
Du hast auch angesprochen, "dass ein guter Intonateur auch eine "kleine" Orgel zu gewisser Vielfalt bringen kann, aber das ist doch wieder eine Ausweichargumentation."
Ich erlaube mir jetzt, dir das Wort ein bisschen im Mund umzudrehen (aber ein alter Kollege darf das ja, oder;-)). So wie ich das verstehe, siehst du eine kleine Orgel von vornherein als Kompromisslösung an, die auch gut sein kann, falls der Intonateur was taugt. Ich wage jetzt zu behaupten, eine mittelmäßig intonierte große Orgel gewinnt durch Quantität nicht zwingend an Vielfältigkeit wie eine mittelmäßig intonierte kleine Orgel. Gerade bei kleinen Orgeln kann der Teufel im Detail stecken und es soll schon vorgekommen sein, dass ein namhafter Orgelbauer, der ganz gute, bzw. sehr gute große Orgeln baut, gerade eine kleine Orgel so richtig in den Sand setzt. Ich kenn da ein Opus, dessen Quersumme 10 beträgt, nur so nebenbei.
Das eine kleine Orgel dafür ganz andere Fähigkeiten und einen ganz anderen Anspruch hat, erwähnst du leider nicht. Nur ein Beispiel dafür, dass eine kleine Orgel für einen großen Raum genügt, ja und ihrer Bauart und ihrem Wesen nach gar nicht größer sein darf. In der selben Kirche steht noch die letzte mechanische Steinmeyer-orgel mit 30 Registern auf 2 Manualen, auch nicht gerade groß, aber beide Orgeln sind in dem Raum unglaublich stimmig und es ist sehr schwer vorstellbar, dass diese Instrumente allein durch einen Zuwachs von Quantität an Qualität gewinnen.
Im diesem Zusammenhang ist auch noch diese Orgel interessant (die ich nicht persönlich kenne). Zuerst dachte ich mir "keine Zungen, geht doch gar nicht". Es ist eine große Orgel ohne Zungen, so ist eben das Konzept und gerade deshalb finde ich diese Orgel so interessant, weil da eben "was fehlt".
So jetzt stellt sich noch die Frage, ob der Raum immer gefüllt sein muss. Meiner Meinung nach kann es durchaus angenehm sein, wenn eine große Orgel ein "Generaltutti" besitzt, dass im Wesen nach als "Dezent" gelten darf. Eine Orgel meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern ist ein gutes Beispiel dafür, eine Großorgel für eine große Kirche (die Martinskirche is a Stückl größer wie der Dom in Regensburg und ist auch im Mittelalter fertig geworden.) unter diesen Gesichtspunkten zu planen. "Dröhnen" kann man mit der nicht, aber das ist auch nicht der Sinn der Sache, die hat andere Qualitäten (JFK kennt die Orgel auch, glaube ich zumindest). Ich will damit nicht sagen, eine große Orgel darf nicht laut sein. Ehrlich gesagt könnte es bei der neuen Regensburger Domorgel durchaus a bissl mehr sein, weil es hier das Konzept vertragen könnte. Meiner Meinung nach, ist mehr nicht immer besser.
Mehr kann aber besser sein und zwar mehr Innovation, mehr Freiheit und mehr Kreativität im Orgelbau. Wenn das die Herren OSVs endlich verstehen würden, hätten wir bessere und vielseitigere Instrumente, auch wenns dann mal im Einzelfall wirklich a bissl mehr wird.
Grüße Franz
edit: unter "kleine Orgel" verstehe ich eine Orgel, die bewusst und wegen ihrer Art "kleiner" ist und nicht eine Orgel, die aufgrund von finanziellen Umständen nicht größer geworden ist.
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