atmender Wind
ok :-). lassen wir den niedrigen Druck, der ist in diesem Fall eine Nebensache. Dann stell ich die Ketzerfrage eben mit Hochdruck ;-)
Niedriger Druck: Nein. Geringere Windmengen: Ja. In Poitiers musste kein Tutti mit 120 mm beschickt werden; die mächtigste Kombination, das Grand Jeu, umfasst um sechzehn Register (GO: evtl. Bourdon, Prestant, Cornet, 2x Trompette, 2x Clairon; Positif: evtl. Bourdon, Prestant, Cornet, Trompette, Cromorne, Clairon; P nach Bedarf, von Trompette bis Tutti). Ein Cavaillé-Collsches Grand Chœur baut dagegen schon auf den Grundstock von um die sechzehn windfressenden Fonds auf, und erst dann kommen die Zungen dazu.
In meinen Ohren hat gelungener Orgelwind damit zu tun, wie hart oder weich und wie stetig der Wind an die Pfeifen kommt. Letzteres: Es muss immer genug da sein und bei hohem Verbrauch schnell nachkommen. Wenn der Ladenbalg aus nächster Nähe drückt, kann der Klang hart und langweilig werden; ebenso – das ist jetzt aber mein persönliches Hören, ich weiß, dass es anderen anders geht – bei Registerkanzellenladen, wo zur Härte oft noch eine Lautstärke kommt, die ich als bedrängend empfinde.
Bei »lebendigem Wind« wird mit der Windmenge und dem Durchstrom gespielt (das kann man bestimmt fachmännischer ausdrücken); in welchem Maß, das hängt vom Geschick und den Vorlieben des Orgelbauers ab. Ich finde es beim Hören nicht schlimm, wenn großer Klang vielleicht eher weich ansetzt und dann noch kurz ein wenig wächst, aber es sollte nie der unangenehme Eindruck von Mangel entstehen. Der Wind darf etwas Zeit brauchen, aber er soll immer reichen; einen Hüpfer sollte er nicht tun.
Wenn »lebendiger Wind« nicht einfach der Reflex der Maschine sein soll, muss er sehr genau geplant werden; es reicht nicht, die Ladenbälge wegzulassen. Zu enge Kanäle machen den Wind hysterisch, in zu weiten kann er versacken. Zu lange Wege bringen viel Reibung und langsame Nachlieferung mit sich (Schwerins Ladegastin kämpft m. E. damit, denn die Hauptkanäle sind seit dem Umbau des Westwerks bedeutend länger als zur Erbauungszeit), bei zu kurzen wirkt sich jedes bisschen sofort auf alles aus. Außerdem muss die Intonation das auch abkönnen, die Orgel soll unter allen Umständen gut klingen.
Hier sind mal zwei Beispiele (laut, leise) für eine sehr große Orgel (IV/71) mit freiem Wind, die mir sehr gefällt. Über die Stiltreue des Klangs kann man streiten – ich finde ihn sehr gelungen. Wer mag, kann ja raten, wo die steht (Samstachsrätsel).
Gruß,
Friedrich
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- Windwirbel - Hausorgler, 27.06.2013, 10:44
- Windwirbel - Friedrich, 27.06.2013, 12:25
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