Unfassbar-Prospekt Vallendar

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 26. Mai 2013, 13:12 (vor 4842 Tagen) @ Hausorgler

Das ist nicht "katholisch" argumentiert, sondern eher seelsorgerlich.
Wenn man den Leuten keinen musikalischen Einheitsbrei bieten möchte und sie somit völlig von der Orgelmusik entfremden will, dann muss man ihnen eben manches Vorhaben auch schmackhaft machen.

Und, daß im Orgelbau, wie in wenig anderen kulturellen Bereichen, vorne und hinten geflunkert wird, obs dabei jetzt um "Rückführungen auf den Originalzustand" oder "Unreparierbarkeit" oder "liturgische Sachzwänge" geht, wenn man auf Biegen und Brechen einen symphonischen Neubau durchsetzen will ... das wissen wir alle.

Daß man sich modifiziert mitteltönige Stimmungen in den letzten Jahren mit ein paar Tricks als irgendwie "historisch", unabhängig von Region und Schule, schönreden wollte, weil man Angst vor der reinen Mitteltönigkeit hatte, ist ja auch bekannt.

Und daß man in den 60ern mit romantischen Orgeln ähnlich verfahren ist, wissen wir auch alle.


Man hat nur manchmal das Gefühl, daß letztlich doch der individuelle Geschmack darüber entscheidet, wo man "Aua!" schreit und wo nicht.
Das ist jetzt auf keine Person speziell bezogen, aber einfach auf einen gefühlten Mainstream.


Wenn irgendwo eine aufwändige annähernde Rekonstruktion als "Reinkarnation" der Ursprungsorgel verkauft wird, weil sonst viele Interessierten nicht mehr folgen könnten, bzw. gar nicht erst darauf aufmerksam würden ... dann kommen die Wahrheitsverfechter aus allen Löchern. Siehe Halberstadt.

Aber wenn irgendwo mit diffusen Begründungen die tausendunderste symphonische Cavaille-Coll/England/Spätromantisch/Tuba schmalzificale/mit "barockem" Positiv - Großorgel aus dem Bauholz geschält werden soll, dann legt man selbst gerne mit die Axt an die Vorgängerorgel und lässt sich bereitwillig jeden Superlativ verkaufen.

Vielleicht wärs hilfreich, wenn nicht nur gefordert werden würde, daß beim Umgang mit historischen oder historisierenden Orgelbauten etwas mehr tiefgestapelt wird ... sondern wenn man auch mal zugestehen würde, daß man in der Orgelwelt selbst nicht selten flunkert und hochstapelt, wenns darum geht, den eigenen Geschmack zur Geltung zu bringen.


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