Frank Stanzl in St. Antonius, D-Oberkassel

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 10. Dezember 2012, 11:52 (vor 5074 Tagen)

Hallo Forum,

am gestrigen Sonntag gab es die dritte Gelegenheit, die neue Chororgel in St. Antonius, D-Oberkassel kennenzulernen. Frank Stanzl (Köln) war zu Gast und präsentierte ein facettenreiches Programm.

Es ging los mit Bach BWV 537 c-moll. Anders als kürzlich beim großen Es-Dur-Stück schien es hier nicht an Fundament und Gravität zu mangeln. Das Praeludium kam schön gelöst, die Fuge gut markiert. Etwas problematischer war dann Francks op. 19, die Pastorale. Insgesamt klang das Stück ein wenig fremd. Allerdings überzeugte die schöne Oboe durchaus. Und gespielt wars ohnehin tadellos. So war man denn nach kurzem Einhören auch hier dabei.

Nun ließ Stanzl “epiphánia I” aus eigener Feder folgen (Uraufführung): Über leicht grollendem Untergrund (oder soll man besser “sprudelnd” sagen?) setzte sich in Tenorlage eine ruhige (vielleicht gregorianisch inspirierte?) Melodie; es folgten ein Forte-Ausbruch und ein Abgesang, bei dem über ruhigem Bass Girlanden von höchsten Tönen ein silbriges Geflecht sponnen. Gut anzuhören und interessant.

Stärker konnte der Gegensatz danach nicht sein: Ein kirmesker Bolero op. 166 des Fünf-Namen-Komponisten Louis James Alfred Lefébure-Wély wurde schmissig in Szene gesetzt. Auch das kann das Instrument also.

Eine Entdeckung war anschließend der ruhige “Le jardin féerique” (Zaubergarten) aus “La mère L’oye” von Ravel. Das hatte ich via Orgel noch nicht gehört, paßte aber sehr gut.

Nun spielte Stanzl “Epiphània II”, ein zweites eigenes Stück als Uraufführung. Wie schon zuvor, war dieses ebenfalls dreiteilig aufgebaut und dem ersten auch sonst nicht unähnlich. Die ruhige Melodie am Anfang war hier allerdings eher ein Abruf, eine Aufforderung. Am Ende erschienen dann auch wieder Teile der hohen Girlanden. Nr.II schien mir kürzer als Nr. I - aber vielleicht machte das schon der Wiedererkennungseffekt.

Sehr verdienstvoll war danach die Darbietung zweier sehr hörenswerter und geschickt komponierter Choralvorspiele von Ernst Pepping. Da wünschte man sich mehr Mutige (Reinhard Kluth gehört sicher dazu!), die sich mit dieser Musik beschäftigen. Allemal hörens- und aufführenswert.

Am Ende ein Wagnis: Liszt BACH. Da mußte Stanzl schon sehr genau dosieren, um das vorhandene Pulver nicht zu früh zu verschießen. Aber er machte es gut. Und ich erinnerte mich an jene Aufführung des 94. Psalms durch Jürgen Kursawa in der Kirche Christus König an just dem gleichen Instrument. Auch der hatte es damals verstanden, den für solche Werke eigentlich zu kleinen Registerfundus zu strecken und so den Eindruck einer großen Orgel zu vermitteln.

Mächtiger, dankbarer Beifall in der trotz vereister Wege und Straßen gut besuchten Kirche (ca. 70 Hörer).

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Da hielt es auch den Kantor Markus Hinz nicht mehr auf seinem Platz: Just da, wo im Liszt das Präludium erstirbt und die Fuge aus dem Nichts kommt, polterte ein Paar mit zwei Kleinkindern in die Kirche und lief an Orgel und Spieler vorbei zur im Aufbau befindlichen Krippe. Benehmen ist heutzutage halt Glücksache. Aber warum müssen Krippen heutzutage schon so lange vor Weihnachten aufgebaut werden? Kein Wunder, daß das Leute anzieht...

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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