leicht OT: Schöne Klassik

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 24. November 2012, 13:00 (vor 5094 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Hausorgler, Samstag, 24. November 2012, 13:23

Ja, diese Argumente stimmen natürlich. Musik macht das subtil, geht ins Asbtrakte, so daß man nur ein bißchen betroffen ist, oder man den Grad seiner "Identifikation" mit dem Gemeinten selber bestimmen kann. Jedenfalls kann man so das Thema thematisieren, ohne daß man es im Falle drohender moralischer Entrüstung thematisiert hat. So nach dem Motto: "Was? Unmoral? Iwo! Da war doch nichts, das ist reine Kunst, reine Musik. Gugg mal: Nur Noten, schwarz und völlig neutral."
Nur: ist nicht gerade dieses subtile Spiel der Andeutung, Offenbarung und gleichzeitiger Verhüllung des nicht Auszusprechenden gerade eine Frucht vielfältiger und durchaus komplizierter Tabus? Tabus, die sich inzwischen vielfach verloren haben und denen unsere Gegenwartskultur fremd gegenüber steht? Sind wir inzwischen nicht sosehr diesen subtilen Spielen entwöhnt durch die plakative Präsentation, daß diese subtilen Spiele ihren inzwischen viel zu schwachen Reiz verlieren müssen, so daß stärkere, direktere Reize die logische Folge sind? Wirkt also nicht doch die Gegenwartskultur massiv auf diese schwindenden kulturellen Relikte?

fragt sich
Hausorgler, der von seiner Ausgangsthese noch nicht lassen mag.

PS: Ich habe persönlich überhaupt nichts gegen hübsche Künstlerinnen, die ihre Schönheit zeigen wollen. Warum sollen sie sich wesentlich anders benehmen, als es in unserem Alltag der Brauch ist? Spätestens seit Pipa Middleton ihre zurechtgehungerte Traumfigur im feierlichem Ambiente von Westminster Abbey allen weltweit Interessierten vorgeführt und ihren Marktwert so massiv gesteigert hat, sollte man das einer Künstlerin mindestens nicht verwehren - solange das Eigentliche, nämlich ihre Kunst, dabei nicht im gleichen Maße in den Hintergrund tritt, wie weiland des Erzbischofs Gebet in nämlicher Abtei.

edit: ich habe den verlinkten Artikel in der rheinischen Post noch einmal gelesen. Ein, nur in einem kleinen Nebensatz verstecktes Argument bringt es auf den Punkt: "Ja, diese Qualität können auch Blinde hören".


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