GdO-Tagung Wien 4. Tag (Mittwoch)

Dorforganist, Dienstag, 06. August 2024, 23:51 (vor 768 Tagen)

Die am 4.Tag stattfindenden Exkursionen wurden in zwei Gruppen durchgeführt: die Gruppe A fuhr Klöster in Niederösterreich an, die Gruppe B war im Wienerwald unterwegs, abends traf man sich in St.Pölten zum Konzert in Dom.

Wer in der Gruppe A glaubte, es gäbe keine Steigerung von Barock, der wurde Kirche um Kirche eines Besseren belehrt: die Krönung war der Dom in St.Pölten, wo es überhaupt keinen Quadratzentimeter ohne Gold oder Farbe mehr gibt. Da muß man schon mit einer sehr großen Barock-Affinität geboren sein, um das schön zu finden...

In der Stiftskirche der riesigen Klosteranlage von Altenburg, der ersten Station von Gruppe A, gab es immerhin noch weiße Flecken, und die mehrfach umgebaute Pfliegler-Orgel stach nicht unbedingt durch außergewöhnliche Klänge hervor. Sie wurde solide, aber nicht aufregend gespielt, wobei CPE Bach immerhin eine Abwechslung in der in diesen Tagen herrschenden Dominanz von Muffat und Froberger war. Die etwas abrupt endende Fuge in e-moll von Mendelssohn überzeugte inhaltlich nicht.

Die Stiftskirche von Zwettl beherbergt eine eigenwillige Orgel von Egedacher, bei der alle drei Manualwerke in die Brüstung gebaut und im geteilten Hauptgehäuse nur die Pedalregister untergebracht sind. Die typisch böhmisch aussehende Orgel klingt entsprechend präsent im Raum und hat eine Menge farbiger Register, die von der Hausorganistin versiert und routiniert, aber etwas lieblos, präsentiert wurden.

Den (vermeintlichen) Höhepunkt an barockem "horror vacui" fand man dann in Herzogenburg, wo es wohl zum ersten Mal keinen Muffat und keinen Froberger gab, sondern J.G.Walther, D.A.Estendorffer, Th.Grünberger, einen modernen Komponisten namens Minkowitsch, und zwei "Bäche". BWV 541 höre ich am liebsten in einer lichten Plenumsregistrierung und ohne Manualzunge, was mir leider hier wieder verwehrt wurde. Das klang für meinen Geschmack zu dick, wenn auch technisch gut gespielt. In dieser Orgel stehen zwei von drei Manualwerken in der Brüstung, was ihr ebenfalls eine gute Präsenz verleiht. Wieviel von Hradetzky in dieser Orgel unsachgemäß "restauriert" wurde, müßte wohl separat erkundet werden.

Der echte Höhepunkt barocker Überlast führte bei nicht wenigen zu einer gewissen Schnappatmung, wenn sie den trostlos häßlichen grauen sog. Domplatz in St.Pölten - eigentlich nur ein von geschlossenen Häuserfronten eingerahmter Granitplattenplatz, der gerade durch eine Kunstinstallation in Form einer überdimensionalen Wäscheleine aufgewertet werden sollte - erfolgreich überquert und in das stilvoll mit Lüstern erleuchtete Kirchenschiff eingetreten waren, in dem sich alles in Blattgold und massiven bis dunklen Farborgien der Wände und Decken spiegelte.

Die 1973 in einen gigantischen Egedacher-Barockprospekt eingebaute Metzler-Orgel erhebt keinen Anspruch auf Regionalbezug, und deshalb war auch das Programm mit Buxtehude, Bach, Couperin und Heiller eher "universal". Sehr interessant war Heillers "Vater unser"-Partita und die damals von manchen Kreisen nicht gerade bejubelte Tanztoccata. Über Registrierungen kann man streiten: der erste Satz der Triosonate BWV 530 klang wie auf einem Manual gespielt, die Fuge von BWV 547 mit einer fetten Trompete zu beginnen und keine Steigerung beim eigentlich grandiosen Pedaleinsatz (der hier direkt unterging) zu bieten, entspricht nicht meiner Vorstellung von diesem grandiosen Werk. Die Orgel selber klang, wie halt eine Metzler klingt: immer präsent und kräftig, aber nie zu laut und immer nobel im Ton.

Gesprächsfetzen beim Rückzug über die Steinwüste des Domplatzes ließen erahnen, daß auch Gruppe B mit ihrer Tour zufrieden war - aber darüber müßte jemand berichten, der dabei war...


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