Midi und Moeglichkeiten

Gast @, Freitag, 08. März 2024, 21:42 (vor 918 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Gast, Freitag, 08. März 2024, 23:24

(Daher auch meine Frage an KBK, ob der Unterschied zwischen individueller og genereller Winddrossel tatsaechlich eine spielpraktische Bedeutung hat.)


Aber klar! Es geht ja nicht nur um lange Töne auf Unterdruck (was eine kleine Weile interessant ist, aber baldauch langweilig), sondern auch das gesteuerte Ein- und ausschwingen eines Tones! Da sind wir sofort bei Bossert, der romantischen Kegellade und sogar bei der behaupteten Beeinflussbarkeit durch mechanische angesteuerte Schwanzventile bei Schleifladen.

Ich kann ehrlich gesagt nicht mitreden - ich hatte so etwas bisher noch nicht persoenlich unter den Fingern gehabt :-(
(Wahrscheinlich waere Schweden fuer mich das naechste?)
Allerdings: Ich stelle an mir selbst fest, dass ich mittlerweile fast alle «Trakturfeatures» regelmessig benutze, ich bisher aber noch nie die Winddrossel wirklich eingesetzt habe….

Hhmm.

Zur «variablen Ventilmagnetbestromung»» hatte ich ja bereits an anderer Stelle was geschrieben.

Dagegen haben wir ziemlich viele Orgeln in der Flaeche, die eigentlich bereits ueber digitale Traktur verfuegen.
Die Midi-Schnittstelle wurde dort gerne nicht verbaut - entweder wegen Konservatismus seitens der Auftraggeber oder auch einfach aus Unwissenheit, was man damit anstellen koennte? (Oder: auch Angst vor dem, was man damit anstellen koennte?)

Ideologische Vorbehalte wären durchaus denkbar.

Die Gruende dafuer koennen sehr vielseitig sein, ja.
Mein Punkt ist eher, dass es eine grosse Anzahl potentieller Orgeln gibt, die sich relativ einfach mit einer Midi-Schnittstelle nachruesten lassen.

Ein Beispiel: Ich bespiele selbst eine Orgel, die alles moegliche an «Dingsbums-Funktionen» besetzt, u.a. Eine Pizzikato/Perkussionfunktion, die ich werksweise ein und ausschalten und im Touchscreen in der Laenge konfigurieren kann.
Wait a moment… - Hat meine Orgel nicht eine Tastatur, die Velocity-Werte ausliest? Warum habe ich keine Moeglichkeit, die Laenge der Perkussion durch die Velocity zu beeinflussen???


Sehr guter Punkt! Würde ich ebenfalls verlangen. Denn das gleichlange Pizz. wird ebenfalls nach wenigen tönen langweilig.

Laukhuff kann ich leider nicht mehr Fragen :-)

Meine Orgel hat auch noch ein paar andere «Merkwuerdiglkeiten» , bei denen ich dann - wertneutral - einfach sagen muss, dass die Migration der Velocity und der Schnittstelle einfach nicht komplett durchgedacht sind.

Allerdings: Auch dieses Feature bekomme ich am PC in 5 Minuten zusammengescriptet :-)

Ja, ob sinnvoll oder nicht, muss der Anwender bzw. Auftraggeber dann belegen. Fakt ist, dass solche Programm-Erweiterungen weitaus preisewerter zu schaffen sind als die Entwicklung von spezieller Hardware. Ich vermute, dass da immer auch eine Mischkalkulation vorliegt - die extremen Kosten der Hardware-Entwicklung werden durch überhöhte Kosten bei der Software-Entwicklung kompensiert, und kleine Erweiterungen im Code werden - aus Auftraggeber-Sicht zur Mammut-Aufgabe. Vorsicht, das war jetzt eher spekulativ, Insider mögen bitte gerne korrigieren.

Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll!

Es ist aber auch ein «Henne-Ei»-Problem: Die Orgelbauer liefern was bestellt wird und der Auftraggeber bestellt das, was lieferbar ist…
Aber es kann doch nicht wirklich die Loesung sein, dass man fuer so etwas einfaches wie die Aenderung der Standardmanualverteilung oder fuer die Zusammenstellung eines Gruppenzuges gleich eine komplett neue Softwareversion aufspielen muss?
Da ist die flexible Konfigurierbarkeit von Hauptwerk&Co echt ein anderes Universum; so etwas wuerde ich mir definitiv auch im PO-Bereich wuenschen!

Ich natte tatsaechlich letztens noch eine Orgelfuehrung mit jemanden, der beruflich aus der Industrieautomation kam und auch die Komponenten direkt wiedererkannt hat. Sein Kommetar - sinngemaess: «Das Zeug laueft ewig - aber wehe, es soll mal was geandert werden…»
Ich denke, dass wir uns auch Gedanken ueber die Wartungsfaehigkeit der Software machen muessen - speziellt auch nach dem Konkurs von Laukhuff.

Im dem Sinne unterstuetze ich deutlich den Ansatz, dass das Spielpult eigentlich nur ein Eingabegeraet und die Orgel selbst nur ein Ausgabegeraet ist. Und dass wir wirklich ueber die generelle Verwendung von MIDIoIP als offene Schnittstelle reden muessen!!
Die gaengigen indistruellen Bussysteme moegen fuer die «Basics» gut funktionieren, sind aber zu schwerfaellig/statisch, um solche Entwicklungen aufzufamgen. (Und vielleicht auch mittlerweile technisch ueberholt?)


Ja. Überholt heißt für mich aber nicht wertlos. Wenn die BUS-Systeme ihr Ding weiterhin gut machen (und das tun sie wohl) und dies dem jeweiligen Kunden genügt, sollte man diese Fähigkeit nicht abwerten. Was wohl auch nicht gemeint war.

Es gab und gibt gute Gruende, auf solche Systeme zurueckzugreifen:
- Zuverlaessigkeit
- Langlebigkeit (Industriestandard!)
- gute Verfuegbarkeit
- leistungsfaehiger Bus mit geringen Latenzen

Vielleicht ist das aber auch nur historisch bedingt - weil es in den 80/90ern einfach nichts anderes gab: Das urspruengliche Midi-Protokoll war fuer solche Anwendungen einfach nicht leistungsfaehig genug, die Netzwerktechnik war so, dass man grade dabei war, von 10Mbit mit Coax und Terminator auf 100Mbit mit CAT umzustelllen… (Erinnert sich hier noch jemand?)
Mittlerweile sind wir dabei 10Gbit im Netzwerk einzuphasen - und man muss tatsaechlich Fragen, ob hpechstproperitaere, zentrale Systeme noch zeitgemaess sind oder ob man nicht doch zu einer modernen, modularen und dezentralen Struktur mit offenen Schnittstellen umstellen sollte?

Ich sehe in der Echtzeitmanipulation von Trakturdaten eine «low-hanging fruit» mit enormen Entwicklungspotential Richtung «moderne Orgel» - wenn es entsprechende Schnittstellen gibt. (Es muss ja nicht grade der 5-pollige Din-Stecker sein :-) )
Grade jetzt koennen wir uns nicht mal ansatzweise vorstellen, was z.b. In 5, 10 oder 20 Jahren als KI-gestuetze Spielhilfen moeglich ist…

Eine reizvolle Perspektive, die aber wohl eher Fantasie bleiben wird, ist eine genormte Plattform so wie in der elektron. Musik "MAX". Es gibt ein Grundprogramm, aber viele Entwickler schaffen und verkaufen kleine Module (ähnlich wie Apps oder Plug-Ins in anderen Systemen), die dann spezielle Fähigkeiten haben und dem Ganzen hinzufügen.

*AMEN*

Ganz abseits davon finde ich schön am Forum, dass zwischendurch nicht nur über beispielsweise über eine Rieger-Orgel, sondern auch über ein Ahrend-Projekt (Lüneburg) zu lesen ist - wo all diese elektronischen Fragen Null Bedeutung haben und trotzdem (oder gerade deshalb?) ganz viel faszinierender Klang drin ist.

Ja takk - begge deler! :-)


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