Orgelpark Symposium 2023 - Samstag, Jürgen Scriba

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 31. Oktober 2023, 21:35 (vor 1045 Tagen) @ elias.orgel

Orgelpark Videos

mittlerweile ist auch ein Video vom letzten Tag des Symposiums (Sa vormittag) online

Symposium 2023 DAY3 Sat June 10th

falls es noch jemanden interessiert...


Vielen Dank noch mal für die Erinnerung - ich hatte es schon aus dem Blick verloren.
Jürgen Scribas Referat brachte dann doch mehr als die Bestätigung der Vermutung, dass er vor allem über sein espressivo-System sprechen würde.
Zu meinen persönlichen Entdeckungen gehörten zunächst Grafiken und Erkenntnisse aus einer im ISO-Journal 56/2017 erschienen Untersuchung über den Zusammenhang von Tastenweg und Ventilöffnung/Tonentwicklung - mit dem Ergebnis, dass die Proportionalität der Traktur überbewertet wird, gerade bei großen Orgeln. (Da hatten wir ja ohnehin schon auf mechanischen Instrumenten meist das Gefühl, dass wir keine wirkliche Kontrolle mehr haben, weil Torsion u. a. die Feinheit der Bewegung aufzehrte. Ausnahmen mögen mit hoher Spannung versehene Trakturen sein, wie Grenzing sie baut.). So mahnt Scriba dazu, die Anforderung bzw. den Bedarf von Proportionalantrieben gut zu prüfen. Nicht überraschend kommt er zu dem Ergebnis, dass seine Technologien attraktive Alternativen darstellen. Auf jeden Fall kostet - seiner Aussage nach - ein Espressivo-System nicht mehr las eine konventionelle elektrische Traktursteuerung, bringt aber noch einige Features mehr. Proportionalsystme langen hingegen mit den zehnfachen Kosten zu.

By the way nannte er dann die Firma, die die Schrittmotoren für Hamburg-Nikolai (KLais-Orgel) herstellte, nämlich Termisound.

Darüber hinaus warb er leidenschaftlich anhand des von ihm miterlebten Kollapses von Laukhuff zur Standardisierung von Steuervorgängen. Und hier kam er mit einer für mich persönlich sehr wichtigen Info, die mir vor einem Jahr Benedikt Aufterbeck (Sinua) bei einem kurzen Gespräch am Rand des AGGREGATE-Festivals nur andeuten konnte: Erstens überhaupt eine gemeinsame Arbeit von Scriba und Sinua, jedenfalls in Hinblick auf die Standardisierung von Schnittstellen (und in einer Art und Weise, die es erlaubt, Systeme auch zu warten, umzubauen etc., wenn die Entwickler, warum auch immer, nicht mehr zur Verfügung stehen). Auch das Einbinden von MIDI in die leistungsfähigere Sprache OSC gehörte dazu, was gerade für große Orgeln mit Einzeltonsteuerung von Interesse ist. Ein Teilnehmer fragte nach der Einbindung von After touch oder MPE (MIDI Polyphonic Expression). Scriba antwortete, dass digitalseitig diese Kombinationen im System möglich wären, aber orgelseitig (was sollte ein Ventil infolge von After touch Befehlen tun, wie müsste es gbaut sein?) gegenwärtig (noch) nicht gefragt ist, weshalb er hier noch keinen eigenen Fokus setzt.
Nun, da würde ich spontan antworten, dass große Orgeln selbst bei rein ein-aus-schaltenden Magneten für After touch sehr geeignet wären, sei es nur die wörtliche Information von Druck auf den Tastenboden oder die proportionale Umsetzung des Tastentiefgangs - beides gar nicht einmal in eine proportionale Öffnung EINES Ventils, sondern in eine stufenweise Zu- und Abschaltung weiterer Ton- bzw. Trakturmagnete, so wie Akzent- oder Sforzato-Koppeln oder der eletromechanische Second Touch, nur feinstufiger. Das aber nur am Rande.

Ergänzt wurde der Vortrag durch einen launigen Exkurs in die Betriebswirtschaft - sicher vor allem für anwesende Orgelbauer gedacht - der ebenfalls mit einbigen Vorurteilen oder Wünschen aufräumte.

Hans Fidom erwähnte, dass nächstes Jahr Franz Danksagmüller angesagt ist, und sein Thema wird gerade das Bedürfnis nach MPE usw. im Orgelbau sein. (Nun, er nutzt diese Fähigkeiten schon länger auf rein elektronischer Klanglichkeit mit seinem Hakan Continuum und dem Kyma System.) Das wäre dann eine spannende Antithese zu dem von Scriba festgestellten Noch-nicht-Bedarf an solchen Techniken.

So, das war mal wieder aus der Nischennische in der Nische. Doch, doch, ich begeistere mich auch weiterhin für Tunder, Weckmann, Bach, Duruflé, beispielsweise.
Der Vortrag dauerte eine Stunde


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