Samuel S. Wesley (war: Was in England …)

ado ⌂ @, Freitag, 10. Oktober 2014, 14:38 (vor 4404 Tagen) @ Florian-L

arg viele orgeln gab es 1829 in england nicht, auf denen das überhaupt spielbar war, aber just aus diesem jahr stammt etwa die unverändert erhaltene (unlängst von goetze & gwynn wiederhergestellte) orgel in st james bermondsey, von james bishop:
[image]


Auf diesem Instrument lässt sich der Pedalpart der erwähnten Variation aber nicht ohne Oktavierungen spielen, denn offensichtlich reicht der Umfang von GG - g0.

Gruß, Florian

schon eine weile her, dieser austausch... stimmt natürlich. aber offenbar haben die engländer auf eben dieser pedalklaviatur auch etwa bach gespielt. dazu dieser nachtrag aus dem (insgesamt mäßig guten) buch von david yearsley: bach's feet. the organ pedals in european culture (2012): "At the competition for the Bermondsey post [d.h. dem vorspielen für die organistenstelle an der neuen orgel, um die es hier ging] that followed later in 1829, [Henry] Gauntlett played the Fugue in B minor, BWV 544, and the fiendishly difficult final movement of the C minor Trio Sonata, BWV 526/3, as well as the Prelude in E flat, BWV 552/1, all without the assistance of a third hand. The Bermondsey pedal had a two-octave range but was displaced down a fourth from that of Bach's organs, from GG to g; Gauntlett and others would have had to make major adjustments to the pedal lines....The adaptability summoned by English organists like Gauntlett was in still greater demand from German visitors, for whom such compasses...were in every sense foreign. The most famous of these tourists was Felix Mendelssohn..." (s.203). auf der nächsten seite wird allerdings ein bericht von george smart (er stand der neuen pedalmode in england kritisch gegenüber) erwähnt, der mitteilt, daß 1825 bei mendelssohns zuhause felix auf der hausorgel eine "clever fugue" gespielt, den "very difficult pedal part" aber schwester fanny am klavier übernommen habe. genau dies war damals vielfach in england üblich: bachs orgelwerke statt mit (meist nicht vorhandenem) pedal drei- oder vierhändig zu spielen. aber yearsley weist darauf hin, daß es auch auf dem festland damals oft so gemacht wurde, etwa auch von liszt.

ich glaube, mein ausgangspunkt war, daß das aufkommen des pedals in england zunächst mit mendelssohn nichts zu tun hatte, dessen erste englandreise ja eben in das jahr 1829 fällt. mendelssohn spielte immer wieder die orgel der st paul's cathedral, die 1826 von james bishop umgebaut worden war -- also demselben orgelbauer, von dem auch das instrument in bermondsey stammt. nur daß (aus welchem grund auch immer!) in st paul's das pedal (ebenfalls zwei oktaven) beim C begann! (yearsley s. 207). yearsley zufolge hat mendelssohn auch nicht etwa eine virtuose pedaltechnik nach england mitgebracht (er war bis dato in dieser beziehung wohl eher schüchtern), sondern dort erst pedaltechnischen ehrgeiz entwickelt, was yearsley selbst "paradox" nennt. erst im lauf der 1830er jahre entwickelte sich mendelssohn zum (just in england dann vielbeachteten) pedalvirtuosen.


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