Klangvolle Truhenorgel – Eberbach
Keine Kirchenheizung ist für eine Orgel doch besser als eine Kirchenheizung, denke ich.
In diesem Zusammenhang fällt mir die romanische Basilika auf dem Petersberg bei Halle ein - ebenso leergeräumt und ebenso beeindruckend. http://christusbruderschaft.de/de/zu-gast-sein/kloster-petersberg.php oder hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26951427
....nicht unbedingt. Denn wenn es nicht nur kalt, sondern auch feucht wird, freut das den Schimmel und die Korrosion. Zuviel Heizen ist schlecht für Orgeln, gar zu wenig aber auch. Moderat-zurückhaltendes Heizen mit der richtigen Heizung bei gleichzeitiger automatisierter Luftfeuchtekontrolle ist das Beste. Allerdings wird man in Eberbach dabei sofort mit dem Denkmalschutz zusammenstoßen, denn für eine solche Heizung müßte sicher in größerem Umfang in die historische Bausubstanz eingegriffen werden, was dort ein no-go ist.Gruß,
Wolfgang
das leuchtet mir jetzt ehrlich gesagt überhaupt nicht ein. kirchenheizungen sind doch wohl ein ziemlich neues phänomen, vor 1800 dürfte es soetwas überhaupt nicht gegeben haben. das hat aber offenbar niemanden abgehalten, orgeln aufzustellen! auch in eberbach gab es orgeln -- so wurde hier im faden ja schon eine schwalbennestorgel erwähnt. und laut wikipedia wurde 1706-8 eine neue orgel in der klosterkirche errichtet, die bei der säkularisation 100 jahre später offenbar immer noch funktionierte -- damals wurde sie nämlich in eine wiesbadener kirche umgesetzt, wo sie 1850 verbrannt ist. die wagnerorgel von 1725 im brandenburger dom war offenbar auch keine heizung gewöhnt. als 1850 vorgesehen war, den brandenburgischen provinziallandtag im dom tagen zu lassen, wurden vorsorglich große kohlebecken in den kirchenraum gestellt. der landtag trat dort am ende doch nicht zusammen, an der orgel waren aber hernach umfangreiche reparaturen fällig!
....sicher hat es niemanden abgehalten, Orgeln aufzustellen - es fragt sich nur, in welchem Zustand sie waren: Mäuse und Ratten setzten den Lederteilen zu, Fledermäuse und sonstige Vögel den Metallpfeifen (Flecken von Vogelkot - und zwar ziemlich viele - waren bei der VOD-Tagung 2010 in Mecklenburg-Vorpommern selbst auf den Pfeifen vergleichsweise frisch restaurierter Instrumente zu sehen), der Holzwurm tat sein übriges dazu, und verschimmelt waren sie aller Wahrscheinlichkeit damals auch - nur wurde das wohl nicht mal gesondert erwähnt.
Wir haben uns heute an einen enorm hohen Erhaltungszustand gewöhnt, den es früher über Jahrhunderte kaum jemals so gegeben haben dürfte (auch deshalb ist unsere Vorstellung von historischen Zuständen vermutlich sehr zeitgenössisch eingetrübt...). In der Festschrift zur Wiedereinweihung der Stader Wilhadi-Orgel von 1990 - sehr interessant übrigens, weil man dort lesen kann, wie selbst Alfred Hoppe 1963 auf Distanz zu Paul Ott ging - kann man nachlesen, daß die Orgel in ihrer Geschichte mitunter jahrzehntelang in miserablem Zustand war. Z.B. für die Frankfurter Domorgel galt dasselbe, und ich bin sicher, ebenso für zahllose andere. Im damaligen Kerzenschein werden Schimmelflecken im Gewölbe gar nicht weiter aufgefallen sein, und über Schimmel in den Orgeln wird sich erst Recht kaum jemand aufgeregt haben - Bekämpfung ohnehin sinnlos, und ohne Not wird damals kaum jemand mit Kerzenlicht in einer engen, verwinkelten Orgel herumgeklettert sein (außer Charles Barker, aber das ging ja bekanntlich nicht gut aus...).
Von der bei niedrigen Temperaturen einsetzenden Zinnpest und allen möglichen Erscheinungen von Korrosion (etwa durch Eisenbestandteile im Pfeifenmetall, so z.B. in Grauhof oder "Zerbröseln" der Legierungen wie bei den Orgeln Philipp Furtwänglers) ganz zu schweigen. Welche Kirchengemeinde würde es bei einer neuen Orgel heutzutage noch hinnehmen, daß sie im Winter de facto nicht spielbar ist? Z.B. bei der Furtwängler & Hammer-Orgel von 1916 im Verdener Dom ist das meines Wissens so (Auskunft des dortigen Organisten vor einigen Jahren). Die Orgel hat pneumatische Taschenladen, die im Winter wohl den Dienst verweigern (schon im Sommer bringt deren Verzögerung nicht daran gewöhnte Spieler zur Verzweiflung.....).
Die Kirchenheizungen der 1960er ruinierten die Orgeln im Zeitraffer, weil sie viel zu schnell und aggressiv aufheizten mit den bekannten Effekten. Wird eine Kirche dagegen richtig temperiert/klimatisiert, ist das ein Segen für alle Einrichtungsgegenstände. In welchem Zustand die beiden großen Stader historischen Orgeln wären, würden seit deren letzten Wiederherstellungen Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre klimatische Zustände wie um 1750 in den Kirchen herrschen, will ich lieber nicht wissen. Ganz sicher dramatisch schlechter, als es jetzt tatsächlich der Fall ist.
Gruß,
Wolfgang
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Friedrich,
27.08.2014, 11:42
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Orlos,
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Wolfgang Gourgé,
27.08.2014, 22:59
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Orlos,
27.08.2014, 23:10
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Wolfgang Gourgé,
28.08.2014, 00:04
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MAT,
28.08.2014, 08:43
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Wolfgang Gourgé,
28.08.2014, 13:57
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ado,
28.08.2014, 21:01
- Klangvolle Truhenorgel – Eberbach - Wolfgang Gourgé, 28.08.2014, 23:04
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Wolfgang Gourgé,
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Hausorgler,
28.08.2014, 15:05
- Klangvolle Truhenorgel – Eberbach - jrbecker, 28.08.2014, 16:18
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MAT,
28.08.2014, 08:43
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Wolfgang Gourgé,
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Orlos,
27.08.2014, 23:10
- Klangvolle Truhenorgel – wie? - untersatz32, 29.08.2014, 20:20